Bei einer Wanderung im Rheingau stieß ich vor einigen Tagen auf diese Botschaft, die jemand – offenbar mit Mühe – auf einen Pfahl geschrieben hatte: »Rede mit Gott und mach was aus dir!«
Mich hat diese Botschaft noch eine Weile begleitet. Was bringt einen (jungen?) Mann (die Botschaft war unterschrieben) dazu, so etwas an einen Pfahl zu schreiben? War es missionarischer Eifer? Wollte er sich selbst an etwas erinnern, was ihm wichtig geworden ist? Oder hat jemand diesen Spruch an den Pfahl geschrieben und mit einem Namen versehen, um sich über diese Person lustig zu machen? – Auch das wäre ja möglich.
Nehmen wir einmal an, dieser Satz ist dem Autor wichtig geworden und er hatte das Bedürfnis, ihn irgendwo zu »veröffentlichen«: Was war dabei eigentlich sein Anliegen? Liegt der Akzent auf dem ersten Satzteil? Geht es ihm darum, in einer gottvergessenen Welt ans Reden mit Gott zu erinnern? Oder setzt er das schon voraus und betont das Zweite: Dass ich auch dann, wenn ich mit Gott rede, immer noch meines eigenen Glückes Schmied bin, wie eine Redewendung sagt, und ich mich nicht einfach fromm zurücklehnen kann, weil Gott ja ohnehin alles für mich macht und ich keine Verantwortung mehr trage? Oder ist es eine Kombination aus beidem?
Was mich an diesem guten Rat vom Pfahl etwas befremdet, sind die Imperative: Rede! Mach! – Und dabei fremdele ich vor allem mit dem Gedanken, etwas aus mir zu machen zu sollen oder gar zu müssen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Sehr bewusst weiß auch ich zu schätzen, dass wir in Zeiten leben, in denen ich in vielerlei Hinsicht das tun darf, was meinen Gaben und Neigungen entspricht. Und selbstverständlich ist es wunderbar, Verantwortung übernehmen und ausfüllen zu dürfen. Ist das schon mit dem »etwas aus mir machen« gemeint?
Aber im »mach was aus dir« schwingt ja doch auch mit, dass ich erst was aus mir machen muss, damit ich wer bin. Aber durch Gottes Liebe bin ich ja längst schon jemand: nämlich Gottes Kind – und ich muss nicht erst etwas aus mir machen. Dass ich trotzdem Verantwortung übernehmen darf und soll, bleibt davon ja unberührt. Und trotzdem klingt das »mach was aus dir« in meinem Ohren zu sehr nach Anspruch, dem ich leicht auch nicht gerecht werden kann, und zu wenig nach ermutigendem Zuspruch.
Die auffordernde Ermunterung vom Pfahlschreiber, (in allen Lebenslagen) mit Gott zu reden, nehme ich aber trotzdem gerne mit (und entdecke darin das wieder, was sich auch im Jakobusbrief lesen lässt):
»Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.« (Jakobus 5,13, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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