In der Gemeinde, in der ich dieses Jahr das Erntedankfest mitgefeiert habe, stand neben reichlich Obst und Gemüse auch eine Karaffe mit Wasser unter den Erntedankgaben. Das war einerseits neu für mich, und andererseits hat es mir sofort eingeleuchtet. Denn gerade in diesem Jahr haben wir es ja wieder wahrgenommen, dass auch und gerade Wasser keineswegs selbstverständlich ist. Überhaupt ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein Geschenk, über das sich längst nicht alle Menschen auf dieser Welt freuen können. Und gleichzeitig ist Wasser so wichtig, weil wir ohne Wasser nicht leben und überleben könnten.
Mir hat das einmal mehr deutlich gemacht, wie viel Grund ich zum Danken zu habe, auch wenn mir oft der Blick verstellt ist: weil ich vieles faktisch für selbstverständlich nehme, was doch nicht selbstverständlich ist, und weil sich zudem manches, was mir Angst und Sorgen macht, stärker in den Vordergrund schiebt und so den Dank in den Hintergrund treten lässt.
Da hat die Karaffe mit Wasser mir die Augen geöffnet. Und zugleich war sie ein Symbol dafür, wie schnell etwas Wertvolles übersehen werden kann. Denn im durchsichtigen Glasbehältnis war dieses Wasser zwischen all den farbigen Früchten schnell zu übersehen.
Jesus kann hinsichtlich des Lebens, das er schenkt, auch vom »Wasser« reden, wenn er zu der Frau am Jakobsbrunnen sagt: »Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.« (Johannes 4,10, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Auch dieses »Wasser« springt einem offenbar nicht sofort ins Auge, sondern will erkannt werden. Und erkennen können wir’s nur, wenn der Heilige Geist uns die Augen öffnet. Dann aber lässt sich dankbar wahrnehmen, dass zwischen all dem Bunten unseres Lebens und zwischen all dem Grauen und Dunklen auch in unserem Leben eine Karaffe mit lebendigem Wasser steht, das unseren Durst nach Gott, nach Leben stillt und unseren Glauben versorgt, dass er nicht vertrocknet. Gott sei Dank!
Christoph Barnbrock
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