Wenn ich darüber nachdenke, ob ich ein ordentlicher Mensch bin, komme ich zu einem doppelten Ergebnis. Einerseits würde ein neutraler Betrachter meines Schreibtischs wahrscheinlich ziemlich schnell zur Antwort »Nein« finden. Andererseits habe ich ein ziemlich ausgeklügeltes digitales Ablagesystem, habe relevante Ordnungen im Kopf und finde mich von daher im Rahmen der Ordnungszusammenhänge, innerhalb derer ich meine Arbeit tue, relativ gut zurecht. Irgendwo bewegt sich mein Leben zwischen den Extremen Putz- und Ordnungsfimmel auf der einen Seite und einer Existenz als ›Messi‹ auf der anderen.

Nun ist es ja mit den Ordnungen ohnehin so eine Sache. Einerseits nerven Ordnungen und Vorschriften, seitenlange AGBs und andere Regelungen, die sich kaum noch überschauen lassen. Und andererseits würde ich in keiner Welt leben wollen, in der es keine verbindlichen Regelungen zum Schutz des oder der Einzelnen gibt.

Die Lesungen des gestrigen Sonntags haben Gottes gute Ordnungen in den Fokus gerückt. Ja, vieles ist gut geordnet. Der Wechsel von Tag und Nacht und den Jahreszeiten etwa. Der Schutz vor Mord und Diebstahl, vor Verleumdung und Ausbeutung. Es ist gut, dass hier Grenzen eingezogen sind, die uns und andere schützen. Und es dient unserem Miteinander, sie auch einzuhalten.

Und gleichzeitig gibt es immer wieder auch Regulierungsirrsinn, bei dem die Regeln nicht mehr ihren eigentlichen Zweck dienen, sondern geradezu das Gegenteil erreichen.

Auf Zusammenhänge wie diese, dass Regelungen nicht mehr ihrem eigentlichen Sinn entsprechen, macht Jesus aufmerksam, wenn er denjenigen entgegnet, die seine Jünger wegen des Ährenraufens am Sabbat kritisieren: »Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.« (Markus 2,27, Lutherbibel 2017, Dt. Bibelgesellschaft). Und dazu ergänzt er: »So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.« (Markus 2,28). Damit wird deutlich: Nicht das Einhalten an Regeln an sich ist wertvoll, sondern die Ausrichtung an dem, der die Regeln und Ordnungen gegeben hat, nämlich an Gott und seinem Sohn Jesus Christus. Von hier gewinnt alles Leben in Gottes guten Ordnungen Orientierung und Sinn.

Christoph Barnbrock


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