Einer der viralen Songs dieses Sommers ist »Gut genug«:
Inhalt dieses Liedes sind die Ansprüche anderer, die an eine Person herangetragen werden und denen sie nicht gerecht werden kann oder will. Dem gegenüber ist die einfache Botschaft des Liedes: »Du bist gut genug!« bzw. »Bleib einfach du!«.
Ich kann den Impuls, der hinter diesem Lied steht, gut verstehen. Unsere multimedial vernetzte Welt konfrontiert uns mit derart viel »Du sollst« und »Du musst«, dass Menschen daran eigentlich nur scheitern können: Schönheitsideale, Gesinnungen, Gesundheitstipps. Und was, wenn ich das alles nicht schaffe? Wenn mir die Kraft fehlt, mein Körper das nicht hergibt? Was, wenn ich in diese ideale Welt nicht hineinpasse?
Da kann ein solcher Zuspruch »Du bist gut genug!« schon ausgesprochen tröstlich sein. Und auch vom christlichen Glauben her lässt sich durchaus etwas Ähnliches aussagen: Ja, du bist in deiner Eigenart gut – nein: sehr gut von Gott geschaffen. Du musst nicht erst eine andere Person werden, um liebenswert zu sein oder zu werden.
Allerdings stolpere ich auch über diesen Song. Denn abseits von überzogenen und krank machenden Idealvorstellungen, wie ein Leben auszusehen hätte, stelle ich doch in meinem Leben immer wieder fest, dass ich nicht immer »gut genug« bin. Ich bleibe Freunden und Familienangehörigen immer wieder auch etwas schuldig. Längst nicht immer bin ich bei der Arbeit »gut genug«. An mancher Stelle hätte ich anders, ja auch besser handeln sollen. Es gibt in meinem Leben eben auch manches, was nicht gut oder nicht gut genug ist.
Für mich muss der Zuspruch noch mindestens einen Schritt weiter gehen als bis zum »Du bist gut genug«. Es ist wie in den Heilungsgeschichten, in denen Jesus den Kranken nicht einfach nur sagt: »Du bist gut genug«, sondern er ihnen die Sünden vergibt und sie heilt. Damit ist auch das aufgefangen und nicht verdrängt, was eben auch nicht »gut genug« ist. Und so steht am Ende vielleicht nicht unbedingt der Satz »Du bist gut genug«, sondern: »Du bist von Gott geliebt und liebenswert«. Und: Immer wieder beginnt ein neues Leben in Gottes heilender Nähe.
»Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. […] Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!« (Markus 2,5.10f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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