Heute ist der »Allerheiligen«-Tag, der für evangelische Christinnen und Christen eine andere Bedeutung hat als für ihre römisch-katholische. Zum »Heiligen« erklärt wird man in der römisch-katholischen Kirche ja nach einem aufwändigen Verfahren. Das prägt auch im landläufigen Sinn unser Verständnis von »Heiligen«: Herausgehobene Menschen, die besonders heilig, besonders voller Gottvertrauen, besonders standfest im Glauben waren.
Ich kann mich noch an den Augen-Öffner-Moment aus meiner Kindheit erinnern, als mir irgendjemand erzählte, dass ich nach lutherischem Verständnis auch ein »Heiliger« bin: ein getaufter Christ, der im Glauben mit dem heiligen Gott verbunden bin und durch ihn geheiligt und darum ein Heiliger bin.
Dabei haben die »Heiligen« in landläufigem Sinn in lutherischem Sinn durchaus ihren Platz: als Menschen, an deren Leben sich beobachten lässt, wie Gott mit seinen Leuten durch Dick und Dünn geht und sie auch durch Versagen und Scheitern hindurchführt und ihnen immer wieder neu Glauben schenkt. Und dabei sind mir die »Heiligen« besonders lieb, die so ähnlich sind wie ich: eben nicht perfekt und vollkommen, sondern immer wieder auch angefochten, auf Vergebung angewiesen – so menschlich eben und doch von Gott geliebt und gehalten.
Und solche Heiligen gibt es in der Kirchengeschichte, aber auch in unsrer Zeit, Menschen, die sich in allem – im Guten wie im Schweren – Gott anvertrauen und sich von ihm getragen wissen.
»An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!« (Römer 1,7, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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