Das Verhältnis von uns Menschen (in den westlichen Industrienationen) zu unserem Körper ist ein merkwürdiges. Auf der einen Seite sind viele von uns im Alltag viel weniger auf unsere körperlichen Fähigkeiten angewiesen als noch die Menschen vor 100 und 200 Jahren. Schwere körperliche Arbeit wird immer seltener. Vieles ist Kopfarbeit geworden. Und gesundheitliche Probleme entstehen heute oft nicht wegen einer Überbeanspruchung des Körpers, sondern durch eine Unterbeanspruchung – etwa beim vielen Sitzen.
Gleichzeitig sind wir nicht einfach zu einer körperlosen Gesellschaft geworden. Sondern auf eine eigene Art und Weise spielen die Körper eine große Rolle: Fitnessangebote, Sportveranstaltungen, die den Körper an die eigenen Grenzen bringen, Schönheitsoperationen, mit denen Menschen versuchen, den Körper immer wieder an eigene (oder fremde) Schönheitsideale anzupassen.
Es ist und bleibt so: Selbst in einer Zeit, in der der Körper an Bedeutung zu verlieren scheint, sind und bleiben wir körperliche Wesen. Und wie sollte das auch anders sein, da doch auch unser Wahrnehmen und Fühlen körperlich vermittelt ist? Wenn ich freudig aufgeregt bin, beschleunigt sich mein Herzschlag. Und wenn ich Angst und Sorgen habe, merke ich ein Druckgefühl in der Magengegend. Mein Körper ist eben nicht bloß ein fleischernes Kleidungsstück, das ich auch wechseln könnte, sondern ein Teil meines »Ich«.
Und so passt es gut, dass der christliche Glaube kein leibfeindlicher Glaube ist. Es geht nicht darum, seine Körperlichkeit irgendwie loszuwerden oder zu überwinden, sondern ganz im Gegenteil: Unser Körper ist ein Geschenk Gottes und ist einbezogen in unser Verhältnis zu Gott:
»Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.« (Psalm 84,3, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Das Ohr und der kleine Zeh, die Augen und der Rücken – und manches mehr – gehören zu uns, ja, machen uns manchmal auch das Leben schwer. Vor allem aber haben sie auch Anteil an der Freude an Gott und dem Gotteslob.
Christoph Barnbrock
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