Neulich stieß ich eher durch Zufall auf eine Kunstinstallation mit dem Namen »Reading between the lines« (»Zwischen den Zeilen lesen«). Bei diesem Kunstwerk, das auch den Namen »Durchguckkirche« trägt, handelt es sich um eine Installation der belgischen Architekten Pieterjan Gijs und Arnout Van Vaerenbergh.
Das Besondere an dieser Kirche ist, dass sie einerseits klar erkennbar die Struktur eines traditionellen Kirchgebäudes hat. Und je nachdem, von welchem Blickwinkel man das Kunstwerk in Augenschein nimmt, stellt es sich auch als massives Kirchgebäude dar. Ändert man allerdings seinen Blickwinkel, wird diese Kirche auf wundersame Weise transparent. Man kann durch sie hindurchschauen. Es ist eine »Durchguckkirche«, die von innen nach außen und von außen nach innen geöffnet ist, sodass Sonnenlicht hineinscheinen kann und man aus dem Innenraum in die Umgebung schauen kann.
Ich halte diese Installation für eine ausgesprochen gelungene Interpretation dessen, was Kirche (nicht nur als Gebäude, sondern auch im weiteren Begriffsverständnis der Kirche Jesu Christi) ist. Eben kein Bunker, in dem sich Christenmenschen verschanzen. Sondern ein offenes Gebäude, in das das Licht der Liebe Gottes und der »Morgenglanz der Ewigkeit« schon jetzt von außen hineinfällt. Und andersherum nimmt Kirche wahr, was um sie herum ist. Es ist kein statisches »Hier wir« und »dort die«. Sondern die Grenzen fließen.
So, wie das die ersten Christinnen und Christen erfahren haben, als sie feststellten, dass die Grenzen zwischen Juden und Heiden aufgehoben waren und alle Welt von Gott zu seinem Volk hinzugerufen ist. Da sind vorher schier unüberwindbare Grenzen durchlässig geworden.
Und gleichzeitig verliert eine solche Kirche, deren Außenmauern nicht undurchdringlich sind, nicht ihre Kontur. Sondern in diesem Kunstwerk ist die Kirche als Kirche weiterhin klar erkennbar, obwohl der Übergang vom Innen zum Außen so luftig ist. Durchlässigkeit und Profi sind hier keine Gegensätze, sondern gehören zusammen.
»Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.« (1. Petrus 2,9f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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