Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einem Menschen über Wunder. Mein Gegenüber erzählte mir, wie sich in seiner Gemeinde in schwierigen, fast ausweglosen Situationen unverhofft Lösungen gefunden hätten. Da seien immer wieder Wunder über Wunder wahrzunehmen gewesen.

Bei dem, was da so »wunderbar« war, war nichts dabei, wo die Naturgesetze außer Kraft gesetzt worden wären: keine Totenauferweckung, keine Krankenheilung gegen medizinischen Sachverstand, keine wunderbare Brotvermehrung über menschliche Möglichkeiten hinweg. Sondern es waren Türen, die sich plötzlich im und durch menschliches Handeln oder Erleiden aufgetan haben. Aber waren das denn dann überhaupt Wunder?

In der Neuzeit neigen wir dazu, Wunder vor allem daran festzumachen, ob sie die Naturgesetze aus den Angeln heben. Das führt viele Menschen dazu, nicht mehr an Wunder zu glauben. Und andere sehen nur noch da Wunder, wo anscheinend alles, was erwartbar ist, auf den Kopf gestellt wird und durchbrochen wird.

Nach biblischem Verständnis ist die Dimension des Wunders allerdings von nachrangiger Bedeutung. Wichtiger ist dagegen, dass Wunder Verweischarakter haben. »Zeichen« nennt Johannes sie in seinem Evangelium. Also Hinweise darauf, dass Gott am Werk ist, dass er für uns sorgt, uns hilft, uns beisteht und sich Türen öffnen, wo wir diese noch nicht einmal gesehen haben.

Dabei will ich gar nicht ausschließen, dass sich solche Wunder je und dann auch einmal so zeigen, dass sie mein Verstehen und Nachvollziehenkönnen übersteigen. Aber oft ereignen sich solche Wunder eben doch auch im Rahmen dessen, was Menschen tun und erfahren. Göttliches und Menschliches sind da – wie an anderen Stellen auch – miteinander verwoben. Und doch kann ich in etwas, was mir widerfährt, in einem Moment der Bewahrung, in Hilfe, die ich erfahre, auch »Wunder« entdecken, weil das Geschehen für mich »durchsichtig« wird für Gottes Handeln.

So gesehen war die Wahrnehmung meines Gesprächspartners ganz richtig, auch in Unerwartetem, was sich gleichwohl menschlich-natürlich erklären lässt, Gottes »Wunder« zu entdecken. In diesem Sinn wünsche ich uns heute allen einen »wundervollen« Tag!

»Darum ging ihm [= Jesus Christus, CB] auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.« (Johannes 12,18, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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