»Das ist ein Geben und Nehmen«, sagen wir, wenn wir beschreiben wollen, dass in einer Angelegenheit nicht nur eine einzige Person einen Vorteil hat, sondern dass alle vom Miteinander profitieren. Wir sprechen dann auch gerne von einer »Win-win-Situation«. Alle profitieren vom Miteinander und der Gemeinschaft.
Leicht kann das Ganze aber auch einen fordernden Unterton erhalten, wenn es dann heißt: »Gibst du mir, geb‘ ich dir.« Auch das ist ja noch nicht an und für sich eine schwierige Haltung. Natürlich kann es nicht sein, dass einer immer nur davon profitiert, dass ein anderer ihn unterstützt, sondern es muss auch mal andersherum sein. Sonst wird die Beziehung schief und Frust macht sich schnell breit.
Was aber, wenn ich dem anderen nichts geben kann, weil ich gerade pleite, krank oder kraftlos bin? Hat die Beziehung dann noch Bestand, wenn der Benefit für einen der beiden Partner nicht mehr erkennbar ist? Wenn es für eine Zeit oder auf Dauer für eine Person mehr »Geben« ist als »Nehmen«?
Ohne Frage ist eine solche Asymmetrie für menschliche Beziehungen eine Herausforderung, weil »Geben und Nehmen« ganz grundlegend für das Miteinander ist und es schwer ist, Gemeinschaft ohne das aufrechtzuerhalten. Und doch funktioniert das nur bei mehr oder weniger gleichen und gleichartigen Partnern.
Deswegen ist das mit dem »Geben und Nehmen« nichts, was unsere Beziehung zu Gott beschreiben und bestimmen könnte – und schon gar nicht das feilschende »Gibst du mir, geb‘ ich dir.« Ja, auch Menschen geben Gott bisweilen etwas: sie opfern Zeit, Geld und Kraft, »geben« Gott Ruhm und Ehre. Aber all das ist doch nicht grundlegend für die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen.
Gott schafft eine Beziehung zu uns, die ganz aus den Worten besteht: »Ich gebe dir« – und zwar umsonst. Da kommt kein: »Das gilt aber nur, wenn du auch gibst« hinterher. Das ist Gnade. Gott gibt sich in Jesus Christus ganz für uns hin. Und das schafft wieder neu die Gemeinschaft zwischen ihm und uns Menschen. Was wir zu geben haben, findet seinen Raum in dieser Beziehung, ist aber nicht konstitutiv für sie. Das ist nur Gottes Geben. Wenn es bei mir auch unrund läuft, ich strauchle und falle, mir die Kraft fehlt: Gottes Gabe und Gottes Gnade bleiben.
»Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, HERR, deine Gnade.« (Psalm 94,18, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Christoph Barnbrock
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