Zu den etwas unfertigen Geschichten in meinem Leben gehört, dass ich zweimal auf dem West-Highland-Way in Schottland unterwegs war und die Tour jedes Mal anders endete, als ich das geplant hatte. Das erste Mal vor über 15 Jahren bremste mich eine Blinddarmentzündung aus. Und als ich vergangenes Jahr einen zweiten Versuch unternahm, war es neben einem heftigen Sommersturm mein unprofessionelles Packen, was mich dazu brachte, etwas früher als geplant die Wanderung zu beenden: Ich hatte einfach zu viel Gepäck dabei – und meine Kraft und Kondition reichten dafür nicht aus.
Dass sich die Frage des »Gepäcks« nicht nur bei Wanderungen stellt, sondern auch sonst im Leben, hat die Band »Silbermond« in ihrem Song »Leichtes Gepäck« unnachahmlich zum Ausdruck gebracht:
»Eines Tages fällt dir auf, / Dass du 99 Prozent nicht brauchst. / Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, / Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.«
Wenn ich jungen Menschen beim Umziehen zusehe (oder mithelfe), dann beneide ich sie etwas um das »leichte Gepäck«, mit dem sie (noch) unterwegs sind. Der ganze Hausstand passt noch locker in einen Kleintransporter, ein Umzug ist ohne Probleme an einem Tag gemacht. Das ermöglicht Flexibilität und Neuausrichtung. Würde ich umziehen wollen, wäre das dagegen schon ein größeres Unternehmen. Damit wachsen die Beharrungskräfte und die Beweglichkeit lässt nach.
In diesem Licht erscheint Jesu Mahnung an seine Jünger plausibel, wenn er sagt: »Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken.« (Matthäus 10,9f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Anders ausgedrückt: Reist mit »leichtem Gepäck«. Macht euch nicht abhängig von dem, was ihr habt. Schleppt nicht zu viel mit euch rum, was euch bei euren Plänen und bei der Erfüllung eurer Aufgabe hindert.
Nun wird uns das nicht in derselben Weise abverlangt wie den Jüngern in dieser konkreten Situation. Von Anfang an haben Christinnen und Christen auch Besitz gehabt und haben diesen in den Dienst der Gemeinden gestellt, etwa wenn diejenigen, die Häuser besaßen, zur Gottesdienstfeier einluden. Und trotzdem mag die Mahnung an die Jünger auch für uns ein Impuls zum Nachdenken sein: Was brauchen wir wirklich? Was ist Ballast, der uns das Leben nur schwer mach und dazu führt, dass wir unbeweglich werden?
Getragen ist Jesu Aufruf, Ballast ruhig abzuwerfen, von der Zusage, dass Gott für uns sorgt und am Ende mit seiner Nähe und mit dem Anbruch seines Reiches in unserer Mitte etwas ganz anders wichtig ist als das, was wir so sammeln und horten. Mit ihm lässt es sich durchs Leben reisen – auch und gerade mit »leichtem Gepäck«.
Christoph Barnbrock
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