Kürzlich las ich von Marie Luise Ritter »Die Suche nach Zuhause. Von der Suche nach einem Ort, an dem wir hingehören«. Bei der Autorin, so fand ich später heraus, handelt es sich um eine bekannte Influencerin. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das Buch wahrscheinlich gar nicht in die Hand genommen. Wie Vorurteile einen doch immer wieder bestimmen! Denn auch wenn das Buch mich jetzt nicht total »vom Hocker gehauen« hat, bin ich der Autorin doch gerne in ihren Gedankenstreifzügen gefolgt.
Im Wesentlichen beschreibt sie im Buch sechs Monate ihres Lebens, die sie in Paris verbracht hat. Paris – das war für sie die Stadt der Sehnsucht. Und als ein Mensch, der an unterschiedlichen Orten gelebt hatte und nirgendwo so richtig sesshaft geworden war, meinte sie, hier vielleicht ihre Heimat zu finden.
So beschreibt sie die schönen, aber auch herausfordernden Seiten dessen, was sie in Paris erlebt – und (Achtung Spolier!) am Ende stellt sie fest, dass auch Paris aus einer Reihe von Gründen nicht zur »Heimat« wird. Bis es aber soweit ist, reflektiert sie immer wieder, was eigentlich dazu führt, dass ein Ort zur Heimat wird – und das kann ganz Verschiedenes sein: Menschen, Sprache, Essen, kulturelle Gewohnheiten, Sicherheitsgefühl, der Eindruck, willkommen zu sein – und manches mehr.
Eine Heimat zu haben, einen Platz an dem wir heimisch werden und an dem wir uns geborgen, willkommen und sicher fühlen, ist keine Selbstverständlichkeit. Das gilt für viele Menschen wie die Autorin, die in unserer mobilen Gesellschaft ständig unterwegs sind und von hier nach dort und von dort nach sonst wohin ziehen. Noch viel mehr erleben und erleiden das aber die unzähligen Menschen, die in diesen Tagen auf unserer Welt auf der Flucht sind.
In großen »Danklied der Erlösten«, das Psalm 107 darstellt, wird genau das auch als Grund zum Dank benannt, dass Gott Menschen Orte schenkt und schafft, an denen sie wohnen können und dort haben, was sie fürs Leben brauchen: »Er machte das Trockene wieder wasserreich und gab dem dürren Lande Wasserquellen und ließ die Hungrigen dort bleiben, dass sie eine Stadt bauten, in der sie wohnen konnten, und Äcker besäten und Weinberge pflanzten, die reichlich Früchte trugen.« (Psalm 107,35–37, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Wenn zum Finden einer Heimat mit dazu gehört, dass ich geborgen bin, willkommen, geliebt, mit dem versorgt, was ich zum Leben brauche, dann ist es am Ende eben Gott, der mir Heimat schenkt – egal, wo ich mich aufhalte. Denn er gibt letzte Geborgenheit in dieser Welt, wo der Wind häufig so rau zu wehen scheint. Von ihm bin ich unbedingt geliebt. Und er versorgt mich mit dem, was ich brauche. Die »Suche nach Zuhause«: Für mich führt sie immer wieder zu Gott.
Christoph Barnbrock
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