Neulich habe ich mir den Mund verbrannt – genauer gesagt den Gaumen. Es gab Maiskolben bei uns. Und obwohl wir sie nach dem Kochen noch einmal ordentlich unter kaltes Wasser gehalten haben, waren sie fürs zeitnahe Zubeißen offensichtlich noch zu heiß. Passiert – und passiert mir gerne auch beim Pizzaessen.
Umgangsspachlich verwenden wir die Redewendung »sich den Mund verbrennen«, wenn wir, ohne groß nachzudenken, etwas sagen und dann feststellen, dass wir lieber unseren Mund gehalten hätten. Nicht alles, was wir reden, ist gut, und manchmal hätten wir – wie bei mir und dem Maiskolben – lieber noch mal etwas abwarten (und nachdenken) sollen, bevor wir uns zu Wort melden.
Der Prophet Jesaja beschreibt das bei seiner Berufung zum Propheten als ein Grundproblem von uns Menschen: »Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.« (Jesaja 6,5, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Jesaja wird deswegen einer Reinigungsprozedur unterzogen, angesichts derer meine Begegnung mit den Maiskolben noch einigermaßen harmlos daherkommt: »Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.« (Jesaja 6,6f.) Ahh – das klingt schmerzhaft. Allerdings ist von Brandblasen hier keine Rede. Und so ist es wohl auch gar nicht gemeint. Vielmehr lässt sich der Reinigungsritus hier mit unserem Bild von der »Kochwäsche« in der Waschmaschine vergleichen. Das heiße Material, das hier zum Einsatz kommt, sorgt dafür, dass Jesaja am Ende ganz rein, ganz befreit ist von aller Schuld.
Trotzdem bin ich froh, dass uns Jesus Christus leichter zugängliche Formen eröffnet hat, um meine Schuld loszuwerden, wenn sie mich drückt: Die Gebetsbitte »und vergib uns unsere Schuld«, der Zuspruch der Vergebung im Gottesdienst oder im Einzelgespräch. Ja, manchmal tut das gut, dass ich das loswerden kann, wenn ich mir meinen »Mund verbrannt« habe, weil ich achtlos dahergeredet habe. Und wie gut, dass das geht, ohne dass mein Mund dafür verbrannt wird.
Christoph Barnbrock
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