Neulich stieß ich bei meinen Streifzügen durchs Internet auf einen Comicstreifen, der mich zum Schmunzeln brachte: Auf dem ersten Bild sind Jesus und Petrus abgebildet, wie sie auf dem See Genezareth wandeln (vgl. Matthäus 14,23–31). Jesus steht souverän auf dem Wasser, während Petrus schon etwas unter die Wasseroberfläche gerät. Jesus sagt: »Au weia, Simon, du sinkst wie ein Fels!«, während Simon Petrus nur noch einen typischen Comiclaut der Verzweiflung von sich gibt. Das zweite Bild zeigt dann die Gesichter von Jesus und Petrus in Nahaufnahme – Jesus nachdenklich, Petrus verzweifelt. Das dritte Bild schließlich zoomt wieder etwas heraus, und Jesus fährt mit den Worten fort, die Bibellesern aus dem besonderen Zuspruch an Petrus vertraut sind: »… und auf diesen Felsen …« (vgl. Matthäus 16,18). Bevor Jesus noch den Satz mit »… will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwinden.« beenden kann, unterbricht der noch weiter gesunkene »Felsenmann« Petrus ihn mit dem Ruf »Jesus!«

Wenn religiöse Comics und Karikaturen gut entworfen sind, dann machen sie sich nicht einfach über das Dargestellte lustig, sondern nutzen das Schmunzeln dazu, eine tiefere Einsicht hervorzulocken. Was der Cartoonist hier macht, ist ja einfach, zwei biblische Geschichten, die jeweils mit Petrus zu tun haben, – nur leicht verändert – in einen Moment zusammenzuziehen. Und gerade darin wird deutlich, was für ein ambivalenter Mensch der Petrus ist. Er, der eine herausragende Rolle in der entstehenden Kirche spielen wird und nach Jesu Willen auch spielen soll, ist gleichzeitig einer, der im Glauben wankt, Jesus aus dem Blick verliert und gerade deswegen sinkt.

So wird der Ehrenname »Petrus« / »Kephas« (= Fels) mit dem Comic zum Ausdruck dieser Ambivalenz: Er wird einerseits von Jesus zum Felsenmann gemacht, auf dem man aufbauen kann. Und zum anderen gibt es kaum etwas, was so schnell sinkt wie ein großer Felsblock. Ein Name – zwei Aspekte. Wie bei Petrus. Wie bei uns.

Und gleichzeitig macht das letzte Bild deutlich, wo Christenmenschen Hoffnung finden, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird: nicht darin, dass jemand anderes große Stücke auf mich hält, sondern einzig und allein in Jesus Christus, der mich festhält, wenn ich zu sinken drohe.

So wäre es in einer Glaubens- oder Lebenskrise immer fatal, auf mich selbst zu schauen – auf das, was ich kann oder bin, auf meine Beliebtheit bei anderen oder auf das, was andere in mir zu sehen meinen. Sondern in solchen Momenten rettet nur eins: Der Ruf: »Jesus« – und dessen Hand, die mich dann ganz gewiss hält.

Christoph Barnbrock


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