Wer im Sommer im Süden im Urlaub ist oder in Deutschland eine Hitzewelle erlebt oder erleidet, ist wahrscheinlich deutlich näher an der Lebenswelt dran, in der die biblischen Schriften verfasst sind, als wenn wir uns bei schmuddelig-kühlem Wetter an unserem Tee oder unserer heißen Schokolade festhalten.

Die biblischen Texte sind im Orient entstanden – in Kulturen, in denen Menschen mit der Hitze lebten und leben mussten. Gerade deswegen hatte Gastfreundschaft einen so großen Stellenwert. Und immer wieder geht es in biblischen Texten um Wasser als das Element, das Leben schenkt (allerdings auch mit Blick auf das Meer: das Leben bedroht und zerstören kann).

So ist bei einer Wanderung in der Hitze ausreichend Wasser unerlässlich – möglichst auch ein Schattenplatz, an dem ich wieder neu zu Kräften kommen kann.

Bei einer Wanderung erlebte ich neulich aber auch noch dies: Was für eine belebende Wirkung ein Windhauch hat. Nach einem längeren Anstieg durch die Nachmittagshitze wollten auch Wasser und Schatten nicht so recht helfen. Und dann plötzlich: Ein Windhauch, der etwas Abkühlung mit sich brachte, die verschwitzen Haare zerstrubbelte. Was für ein belebender Moment!

Es ist wohl kein Zufall, dass im Hebräischen das Wort für »Geist« »Ruach« ist, was auch Windhauch meinen kann. Schließlich bekennt die Kirche den Heiligen Geist auch als den, »der da lebendig macht« (Nicänisches Glaubensbekenntnis). Damit ist gewiss mehr gemeint als der erfrischende Lufthauch bei einer Wanderung. Und der Heilige Geist lässt sich auch nicht auf einen Wind oder Hauch reduzieren – und auch nicht darauf, dass er bloß eine Energie oder Kraft wäre. Vielmehr redet die Bibel immer wieder von dem personhaften Wirken des Heiligen Geist, der eben nicht einfach irgendetwas, sondern jemand ist.

Und doch haben die Menschen aus biblischen Zeiten bei der Rede vom Geist Gottes gewiss eben auch das lebendig machende Erleben von einem Windhauch an einem heißen Tag im Hinterkopf gehabt. Der Heilige Geist, der uns zu neuen Kräften kommen lässt, wenn wir selbst nicht mehr können, der uns tröstet und beisteht und der uns am Ende eben auch wieder ins Leben ruft, wenn der Tod scheinbar die Macht über uns gewonnen hat.

Jesus Christus spricht: »Der Geist ist’s, der da lebendig macht« (Johannes 6,63, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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