Sicherheitslücken und Leaks

Immer wieder ist von Sicherheitslücken oder sog. »Leaks«, also dem Öffentlichwerden eigentlich vertraulicher Informationen, die Rede. Während sich mancher die Hände reibt, wenn über irgendeinen – womöglich missliebigen – Prominenten etwas Unerfreuliches an die Öffentlichkeit kommt, beschleicht mich dabei immer wieder ein merkwürdiges Gefühl. Ich finde, es ist ein beschämender Gedanke, wenn alles, was ich jemals gesagt oder geschrieben habe, irgendwann das Licht der Weltöffentlichkeit erreichen könnte: E-Mails, die ich in der Wut rausgepfeffert habe. WhatsApps, bei denen ich mich selbst im Nachgang wundere, was mich da eigentlich geritten hat.

Das meiste davon hat sich in meinem Leben klären lassen. Gespräche und eine Bitte um Verzeihung haben meist das Problem ausräumen können. Und die von Gott empfangene Vergebung hat dann auch geistlich einen Schlussstrich unter das gezogen, was nicht gut war.

Umso bedrängender die Vorstellung, dass das alles wieder irgendwann womöglich durch Sicherheitslücken oder Leaks in die Öffentlichkeit geraten könnte und meine verletzenden Worte und mein falsches Handeln vor einer größeren Öffentlichkeit ausgebreitet würde.

Ich vermute, dass dieses Gefühl dem verwandt ist, das Menschen zu Beginn der Reformationszeit hatten, die immer wieder auch in der Angst lebten, all ihr Versagen würde im Jüngsten Gericht Detail für Detail an eine überweltliche Öffentlichkeit gezogen. Was für eine Demütigung! Was für eine Blamage!

Es war dann die Leistung der Reformation, dieser Angst etwas entgegengesetzt zu haben, nämlich die Versicherung, dass Jesus Christus nicht der unbarmherzige Richter und Rächer ist, sondern der vergebende Retter, der unsere Schuld und Sünde tatsächlich rückstandsfrei ausgelöscht hat.

Ob irgendetwas, was in meinem Leben nicht gut war, durch Sicherheitslücken oder Leaks einmal publik wird, kann ich nicht komplett ausschließen. Was ich aber ausschließen kann, ist, dass Jesus Christus mir einmal all meine Sünde vorhält, für die ich schon die Vergebung empfangen habe. Nein, die ist weg. Komplett. Ganz gewiss: Ohne Sicherheitslücken und ohne Leaks.

Gott spricht: »ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.« (Jeremia 31,34, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbock


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