Manchmal frage ich mich, wie es den großen Glaubensfiguren der Bibel wohl im Alltag ergangen ist. Abraham auf seinen Wegen – an Tagen, an denen Gott nicht unter dem weit ausgespannten Sternenhimmel mit ihm gesprochen hat. Paulus, als er sich über die Gemeinden in Korinth oder Galatien geärgert hat und die Begegnung mit Jesus Christus vor Damaskus vielleicht schon wieder weit entfernt schien. Kannten sie die Strecken des Alltags, des alltäglichen Glaubens, der oft eben so unspektakulär daherkommt?
Das, was uns von diesen beiden und anderen Figuren der Bibel überliefert ist, lässt uns erahnen, dass ihnen all das durchaus vertraut war. Abraham mit seinen Tricksereien, bei denen er seine Frau als seine Schwester ausgab, Paulus mit seinen Briefen, denen eben auch seine Enttäuschung und seine Wut abzulesen ist.
Ganz offensichtlich ist der Glaube nicht ein einziger Tanz auf »Wolke 7«, sondern allzu oft auch Wegstrecke durch grauen Alltag, mit kleinen »Highs« und »Lows« – alltäglich eben. Sich daran zu erinnern, kann allerdings helfen, auch auf diesen Wegen Gottes Mitgehen zu entdecken. Seine Gegenwart zeigt sich eben nicht nur oder vor allem in spektakulären Momenten, sondern in der Treue, in der er uns auf unseren Lebenswegen begleitet, Tag für Tag, Stunde für Stunde, auch und gerade in dem, was mühsam und schwer ist. All das gehört mit dazu.
Auch das schwingt ja bei der Rede von der Menschwerdung Jesu mit, dass Gott in ihm nicht nur unser Menschsein, sondern auch unseren Alltag geteilt hat, das unspektakuläre Leben zwischen den Highlights.
»O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?« (Galater 3,1, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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