Streit um den Teufel

In der süddeutschen Stadt Esslingen ist seit einiger Zeit ein »Streit um den Teufel« entbrannt, genauer gesagt, um eine Teufelsstatue auf dem Rathausplatz. Die hat ein Künstler kürzlich geschaffen und damit eine identitätsbildende Sage der Stadt aufgegriffen, nach der der Teufel einmal Esslingen besucht habe, um auf dem Markt einen Apfel zu kosten. Die Marktfrau habe den Teufel dann an seinem Pferdefuß erkannt und habe ihm deswegen eine Zwiebel statt einem Apfel gegeben. Der Teufel sei daraufhin geflohen und habe sich nie wieder in Esslingen blicken lassen. Die Esslinger hätten aber den bis heute verbreiteten Beinamen »Zwieblinger« erhalten.

So weit, so legendär und mittelalterlich. Legt man diese Sage auf die theologische Goldwaage, ließe sich fragen, ob man den Teufel nun wirklich gerade an einem Pferdefuß erkennen kann oder ob sich das/der Böse nicht bis in unsere Tage geschickter verkleidet. Und leider wird man ihn wohl auch nicht so einfach mit einer Zwiebel los. Und man wird auch fragen dürfen, ob die Darstellung geschmackvoll ist oder nicht und ob man in diesen Tagen Geld vielleicht auch für anderes sinnvoll einsetzen kann. Und die Antworten dürfen dazu natürlich unterschiedlich ausfallen.

Die Kritik an der Esslinger Teufelsstatue macht sich aber nicht zuletzt aus frommen Kreisen daran fest, dass der Teufel zu viel Aufmerksamkeit erhalte. Kürzlich wurde die Figur sogar mit einem Christus-Zeichen beschmiert – offensichtlich aus Angst, dass hier das Anti-Christliche zu viel Raum gewinnt.

Mir scheint aber, dass solche Vorbehalte jedenfalls in diesem Fall das Ziel nicht treffen. Erstens gibt es eine lange Geschichte von Teufelsdarstellungen auch in der christlichen Kunst und Architektur. Und zweitens erzählt die Sage vom Esslinger Teufel ja gerade von der Überlistung und Vertreibung des Teufels. Und so passt diese Sage dann in der Aussageintention ganz gut zu dem alten theologischen Motiv, dass sich Tod und Teufel an Jesus Christus »verschluckt« haben. Sie meinten, ihn am Kreuz besiegt zu haben, mussten aber feststellen, dass er am Ende sie besiegt hat und Erlösung und Befreiung mit sich gebracht hat. So ist das Böse besiegt – in Esslingen und auf der ganzen Welt: durch Jesus Christus.

»Ich habe euch jungen Männern geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen überwunden.« (1. Johannes 2,14, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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