Gegen besseren Zweifel glauben wollen

Zu den Musikern, mit denen ich groß geworden bin, gehört Reinhard Mey. Dieser hat im inzwischen schon fortgeschrittenen Alter von knapp 84 Jahren gerade ein neues Album veröffentlicht. Darauf findet sich auch das Lied »Zwei Köfferchen«:

Gegen Schluss dieses Liedes heißt es »Ach, wider bessres Zweifeln / würd‘ ich doch so gerne glauben, / wenn sie mir tröstend sagen: / Keiner fällt aus Gottes Hand.«

Am Ende seines Lebens schaut hier ein Skeptiker auf sein Leben und auf die Perspektive, die er noch hat. Und in dem, was ihm andere Menschen von Gottes Trost zusprechen, findet er ein Bild, das ihn hält – auch wenn der Zweifel nicht einfach verschwindet.

Gegen Zweifel glauben wollen – das ist, finde ich, schon eine ziemlich christliche Beschreibung dessen, was den Glauben ausmacht, der ja nie oder allenfalls selten unangefochten, unhinterfragt oder bärenstark ist. Eine Zusage von Gottes Liebe hören und das Wagnis eingehen, dass diese Zusage trägt – ja, das ist Glauben, das ist Gottvertrauen. Nichts, was wir aus uns selbst heraussetzen könnten, sondern was Gott uns schenkt, wenn er durch sein Wort von sich und seiner Menschenfreundlichkeit weitererzählen lässt.

Etwa auch durch Menschen, die ganz offensichtlich einem berühmten Liedermacher hier und da einmal zugesagt haben: »Keiner fällt aus Gottes Hand!« Ein Wort, an dem es sich gut festhalten lässt und auf das hin es sich glauben lässt.

»Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.« (Psalm 139,5, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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