In unserer automatisierten und technisierten Welt herrscht an vielen Stellen die Logik der Produktion. Eine Sache wird maschinell gefertigt und steht in kürzester Zeit zur Verfügung. Und entsprechend bestelle ich Waren im Internet und rechne damit, dass sie mir zeitnah zugeschickt werden. Es ist eine Knopfdruck-Logik. Ich betätige eine Taste und erwarte, dass das entsprechende Produkt mir geliefert wird.
An vielen Stellen ist das ausgesprochen praktisch und auch weitgehend unproblematisch, etwa wenn ich auf dem Kaffeeautomaten wähle, welches Getränk ich gerne hätte. An anderen Stellen liegt zumindest ein Schatten auf dem praktischen Service, der mir geboten wird, da es am Ende ja immer auch Menschen sind, die in die immer schneller werdenden Prozesse eingebunden sind und dort liefern müssen.
Endgültig schwierig wird es allerdings, wenn wir die Logiken der Produktion, der Automatisierung und der Bestellung auf den Bereich des Glaubens anwenden. Denn das ist nicht die Weise, wie Gott mit uns Menschen umgeht, und es sollte auch nicht die Art sein, wie wir mit Gott umgehen.
Anstelle von zeitnaher Produktion und Lieferung von jetzt auf gleich ist im Zusammenhang mit Gottes Handeln immer wieder vom Wachsen die Rede. Eine Pflanze oder einen Menschen beim Wachsen zu begleiten, braucht allerdings Zeit und Geduld. Oftmals kann ich das Wachstum mit dem bloßen Auge gar nicht feststellen. Dafür bräuchte es schon einen Zeitraffer oder die berühmten Markierungen am Türrahmen, an dem wir vermerken, wie groß unsere Kinder jeweils sind.
Und obwohl ich es mit dem bloßen Auge nicht sehen kann, tut sich etwas. Aus kleinen Kindern werden große Leute. Die kleine Pflanze, die ich vor Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, nimmt inzwischen im Garten breiten Raum ein.
So ist es auch mit Gottes Handeln in unserem Leben. In den seltensten Fällen folgt es einer Produktions- und Lieferungslogik, dass ich etwas per Gebet bei Gott bestelle und ich es per Overnight-Express geliefert bekomme. Meistens sind es Wachstumsprozesse, die langsam erfolgen – so, dass ich es mit dem bloßen Auge gar nicht immer wahrnehmen kann, aber im Rückblick eben doch feststelle: »Mensch, da ist ja ganz schön was gewachsen! Gott sei Dank!«
Gott spricht: »Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?« (Jesaja 43,19, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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