Immer wieder einmal stoße ich darauf, wie sich unsere Gesellschaft in unterschiedliche Lebenswelten aufteilt, innerhalb derer Menschen weitgehend unter sich bleiben und die zu anderen Lebenswelten wenig Bezug haben. Bei mir selbst ist es die Lebenswelt eines Akademikerehepaars, das derzeit wirtschaftlich gut abgesichert ist, mit Interesse an verschiedenen Stilrichtungen an Musik und Literatur. Dazu mit einer starken Bindung an eine spezifische kirchliche »Bubble«.

Als ich noch Gemeindepfarrer war, hat es mich immer überrascht, dass ich bei Gemeindebesuchen auch immer mal in Haushalte kam, in denen es nur eine Handvoll Bücher gab. Während meine/unsere Regale immer schon vor Büchern überquollen, war hier viel Platz. Bücher hatten hier keinen oder kaum einen Stellenwert. Eine ganz andere Art zu leben und das Leben zu gestalten.

Und wenn ich mit anderen rede, die im Bereich sozialer Arbeit beruflich engagiert sind, dann merke ich, dass es Lebenswelten gibt, deren Probleme ich tatsächlich nur vom Hörensagen kenne und von denen ich mir kaum vorstellen kann, wie es sein muss, damit Tag für Tag umgehen zu müssen.

Auf der einen Seite macht mich das demütig und lässt mich selbstkritisch fragen: Mache ich eigentlich aus den Möglichkeiten, die mir in meiner privilegierten Situation ergeben, genug? Wie könnte ich auch für Menschen da sein, die in ihren Lebenswelten Unterstützung brauchen? Und grenze ich in den Tätigkeitsbereichen, in denen ich mich bewege, vielleicht auch (unbewusst) Menschen aus, indem ich insgeheim Interessen, Fähigkeiten und finanzielle Möglichkeiten voraussetze, die mir zwar selbstverständlich sind, für andere aber nicht?

Kirche war zumindest zu Beginn eine Größe, innerhalb derer es gelungen ist, Menschen aus unterschiedlichen »Lebenswelten« zusammenzuführen: Sklavenbesitzer und Sklaven, Menschen, die als Juden groß geworden waren und solche, die als Heiden aufgewachsen waren. Und trotzdem prallten schon damals diese »Lebenswelten« immer wieder auch konfliktiv aufeinander – etwa beim Abendessen und den Abendmahlsfeiern in Korinth, bei denen die Privilegierten sich bereits zu opulenten Mahlzeiten zusammenfanden, bevor die Diener und Sklaven von ihrer Arbeit kamen und dann zur Abendmahlsfeier dazustießen. Paulus macht deutlich: So soll es nicht sein.

»Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken. Habt ihr denn nicht Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.« (1. Korinther 11,21f., Lutherbibel 2017, © Lutherbibel 2017)

Wie gut ist es, wenn es in unseren Gemeinden gelingt, dass Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten mit ihren jeweiligen Gaben und Begrenztheiten, mit ihren verschiedenen Lebensstilen und Vorlieben ihren Platz finden. Und wie notwendig, sich um Änderung zu bemühen, wenn dies nicht der Fall ist!

Christoph Barnbrock


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