Kürzlich las ich von einer Untersuchung eines christlichen Meinungsforschungsinstituts in den USA, nach der christlich engagierte Jugendliche in sich mehr Spannungen wahrnehmen als ihre Altersgenossinnen und -genossen. Dabei gerät auch die Frage in den Blick, ob und wie das denn mit dem »Friede[n] Gottes, der höher ist als alle Vernunft,« (Philipper 4,7, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft) zusammenpasst.
Es geht also um die Beobachtung, dass knapp die Hälfte der befragten Teenager Spannungen wahrnimmt zwischen ihrem Glauben und dem, was ihre Freunde und ihr kulturelles Umfeld von ihnen erwarten. Das heißt: Glauben führt immer wieder raus aus der Komfortzone, auch in Situationen, die mich zum Nicht-Mitmachen und zum manchmal auch schmerzhaften Bekennen führen.
Das gilt, auch wenn ich einem allzu grob gezeichneten Bild von Christen und »Welt« skeptisch gegenüberstehe: Als wäre auf der einen Seite irgendwo die »böse Welt« und als wären auf der anderen Seite die guten, angefochtenen Christen. Vielmehr leben wir Christinnen und Christen in der Gesellschaft, sind Teil von ihr, gestalten sie mit, profitieren von manchem Guten, was sie uns bietet. Und trotzdem gibt es immer wieder eben auch die Fälle, wo der Glaube und Mehrheitsüberzeugungen in der Gesellschaft nicht so einfach zu vereinbaren sind. Das ist immer schon so gewesen – und das ist auch heute noch so.
Die Spannung, die die Meinungsforscher hier beschreiben, hat etwas zu tun mit einem an Gottes Wort ausgebildeten Gewissen und der Frage: Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, dieses oder jenes zu tun, hier oder da einfach so mitzumachen? Es ist gut, wenn junge Menschen – aber auch Menschen anderer Altersstufen – in dieser Weise gewissenhaft leben. Und es ist eine wichtige Aufgabe, dass wir uns untereinander darin bestärken, auf unser Gewissen zu hören – und das, ohne überheblich auf andere herabzusehen oder uns in den Kulturkämpfen unserer Zeit zu verlieren.
Und bei allen inneren (und manchmal auch äußerlichen) Spannungen, die sich daraus ergeben, erfahren Menschen dann doch immer wieder, dass Gott tatsächlich Frieden und auch innerliche Ruhe schenkt – nicht als einen Frieden, der uns herausnimmt aus den Spannungen unserer Zeit, sondern der sich mitten in ihnen erweist.
Paulus sagt: »Darin übe ich mich, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen.« (Apostelgeschichte 24,16).
Christoph Barnbrock
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