Was mich an den biblischen Geschichten immer wieder fasziniert, ist, dass sie nicht »glatt« sind. Da spazieren keine Helden durchs Leben, die jede Herausforderung und Gefahr souverän bestehen. Sondern immer wieder entdecke ich da Menschen wie dich und mich, die Gutes wollen und doch scheitern.
Dabei wird in der Bibel auch das Scheitern nicht schöngeredet, und auch die Folgen menschlicher Schuld geraten nicht aus dem Blick. Sondern Lebenswege werden eben auch in ihrer Gebrochenheit gezeichnet.
Besonders tragisch war dies bei einer der herausragenden Figuren der Bibel, Mose. Er hatte sich von Gott in den Dienst nehmen lassen, immer wieder auch im Riss zwischen Gott und dem Volk gestanden, vermittelt, gebeten, gute Worte eingelegt. Aber auch ihn überkommt an einer Stelle der Frust, sodass er aus Gottes Hilfsangebot in der Wüste eine Demonstration eigener Größe macht (vgl. 4. Mose 20,7–12).
Und wie dies beim Schuldigwerden nun einmal immer wieder ist, hat dies Konsequenzen. Mose darf das gelobte Land nicht betreten, sondern nur einen Blick hineinwerfen (vgl. 5. Mose 34,4). So weit, so wenig glatt – und irgendwie auch so realistisch.
Unglaublich tröstlich wird die Geschichte aber dadurch, finde ich, dass dies nicht das Ende des Liedes ist. Gott sagt nicht: »Da siehst du mal, was du angerichtet hast. Jetzt kann ich dir auch nicht weiterhelfen.« Sondern am Ende steht eine Geste Gottes, die ihresgleichen sucht:
»So starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des HERRN. Und er [= Gott] begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein [= Moses] Grab erfahren bis auf den heutigen Tag.« (5. Mose 34,5f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Gott selbst macht sich die Finger schmutzig und wird zum Totengräber des Mose. Er tut ihm diesen besonderen Liebesdienst. Und so steht am Ende des Lebens des Mose nicht sein Scheitern und Versagen (obwohl es sein Leben bis zum Ende zeichnet), sondern Gottes Fürsorge für ihn. Gottes Liebe zu seinen Menschen überwiegt das Scheitern und Versagen und dessen Konsequenzen.
Und in Jesus Christus macht sich Gott noch einmal in unüberbietbarer Weise die Finger schmutzig, damit genau dies für uns zur Gewissheit werden kann: Was auch immer in unserem Leben verkehrt gewesen sein mag und wie schmerzhaft auch die Konsequenzen dessen sein mögen – Jesus Christus hat am Kreuz alles mehr als aufgewogen. Seine Liebe und Fürsorge ist größer als unser Versagen.
Christoph Barnbrock
Entdecke mehr von Team Gott
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
