Ein lockerer Hippie-Song aus den 60er-Jahren singt uns einen Bibeltext vor: The Byrds mit ihrem Lied »Turn! Turn! Turn!«.
»Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.« (Prediger 3,1–8, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Dieser Text kommt aus dem Prediger-Buch des Alten Testaments. Dieses kleine Buch der Bibel gehört zur so genannten Weisheitsliteratur. Die Weisheitsliteratur ist eine besondere Gattung der Bücher. Dazu gehören auch z.B. die Geschichte von Rut oder die Sprüche Salomos. Die Weisheitsliteratur ist auch ein bisschen der Hippie unter den Bibel-Gattungen, ein bisschen verrückt, ein bisschen anders und – vor allem in diesem Fall – sehr gechillt.
Was will uns unser Text sagen? »To everything: turn, turn, turn.«
Die Paare, die in den Texten beschrieben werden, sind keine Gegensätze, es sind eher Pole, zwischen denen wir uns bewegen. Wir wissen ja, meistens sind die Dinge nicht schwarz-weiß, sondern etwas dazwischen. Das macht es nicht unbedingt einfacher. Aber so ist es, das beschreibt dieser Text fast wie ein Gedicht. Und was geschieht, während wir zwischen diesen beschriebenen Polen existieren? Wir wandern und wir drehen uns: turn, turn, turn.
Wenn wir lachen oder weinen, wenn wir aufbauen oder abbauen, wenn wir klagen oder tanzen, wir verändern uns und drehen uns und lassen los. Die Dinge sind flüchtig. »Alles ist eitel« (Prediger 1,2); das ist auch ein Wort aus dem Prediger-Buch.
Alles hat seine Zeit, »there is a season«, alles hat eine Saison. Wie die Jahreszeiten, wie die Urlaubszeit, wie die Zeit zwischen den Jahren, alles hat seine Zeit. Alles?
»Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.« (Prediger 3,10f., Einheitsübersetzung 2016, © Katholische Bibelanstalt).
Die Ewigkeit ist nicht vergänglich, nicht eitel und kein Windhauch. Sie bleibt, sie ist, sie war, sie ist ohne Zeit. Wenn uns die Ewigkeit umfängt wie ein Mantel, wie eine warme Decke, wie eine schützende Wolke, dann muss uns unser Pendeln zwischen den Polen nicht beunruhigen, dann müssen uns keine Veränderungen erschrecken und keine Abschiede bedrücken.
Dann können wir zuversichtlich bleiben, geborgen in der bleibenden Zusage Gottes, bei uns zu bleiben, während alles um uns herum veränderbar ist. »To everything: turn, turn, turn.« Jetzt ist der Song vielleicht schon zu Ende und der Impuls hier auch.
In diesem Sinne, weiter eine behütete Woche: mit Veränderungen, mit Drehungen und mit Zuversicht in die ewige Zusage Gottes!
Silja Joneleit-Oesch
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