Ich bekenne: Ich bin – trotz allem – immer noch begeisterter und passionierter Bahnfahrer. Das hat vielerlei Gründe. Zum einen fühle ich mich in der Bahn sicherer als in den Unwägbarkeiten des Autoverkehrs, bei dem verantwortungslose Verkehrsteilnehmer und meine eigene Unkonzentriertheit immer auch eine gewisse Gefahr darstellen. Zum anderen genieße ich es, die Zeit des Unterwegssein zu nutzen: zum Lesen, zum Arbeiten, zum Dösen.
Aber darüber hinaus fasziniert mich auch das technische Geschehen. Was für eine Leistung, so viele Menschen gleichzeitig und in solcher Geschwindigkeit von A nach B zu bringen! Bei Aufenthalten in den USA habe ich immer wieder darüber gestaunt, wie lang Züge auch sein können. Da steht man an einem Bahnübergang und wartet Minuten, bis ein Güterzug endlich diese Stelle passiert hat.
Fahren solche Züge durch einen Tunnel, dann ist es unweigerlich so, dass der Kopf des Zuges längst schon den Tunnel verlassen hat, wenn sein Hauptteil noch im Tunnel steckt und die letzten Waggons vielleicht noch nicht einmal in den Tunnel hineingefahren sind.
Ich verbinde diese Erfahrung immer wieder mit dem Osterlied von Paul Gerhardt, in dem es in den letzten Strophen heißt: »Ich hang und bleib auch hangen / an Christus als ein Glied; / wo mein Haupt durch ist gangen, / da nimmt er mich auch mit.« (ELKG² 453,7 | EG 112,7).
Hier wird ein ganz ähnliches Bild verwendet, wie ich es vom Zug und dem Tunnel kenne: Der erste Teil, Christus, ist schon durch den Tod hindurch in einem neuen Leben. Und diejenigen, die im Glauben an ihm dranhängen, werden dort auch hinkommen – so gewiss die letzten Waggons eines Zugs auch auf die andere Seite des Tunnels gelangen werden, wenn die Lok dort angekommen ist und weiterfährt.
Noch bin ich diesseits des Tunnels. Zugleich bin und bleibe ich verbunden mit denen, die schon durch den Tunnel des Todes hindurch sind – vor allem aber mit Christus, der den ganzen Zug von der einen auf die andere Seite bringt.
Jesus Christus spricht: »Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.« (Johannes 17,24, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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