Es gibt vor allem zwei Zusammenhänge in meinem Leben, in denen sich in mir der Wunsch regt, noch einmal ganz neu anzufangen. Beim einen handelt es sich um die Momente, in denen ich mit mir, dem, wie ich bin und handle, hadere. Ach, wie gut und schön wäre es da, noch einmal ganz neu anzufangen, ohne manches, was ich an Last im Gepäck mit mir herumschleppe, mit der einen oder anderen Abbiegung auf dem Lebensweg – irgendwie unbeschwerter, frisch und neu eben.
Das andere sind Situationen, in denen ich Menschen begegne, die mich inspirieren – mit dem, was sie tun, wie sie ihr Leben gestalten, mit ihren Gaben und Begabungen. Noch einmal neu anfangen und so ein bisschen so wie sie sein oder werden – das wär’s doch!
Dass ein solcher Neuanfang – zumindest in meinem Lebensalter – einigermaßen illusorisch ist, liegt auf der Hand. Prägungen im Leben lassen sich (manchmal leider, manchmal Gott sei Dank) nicht einfach abschütteln. Ich bin, wer ich bin und wer ich geworden bin. Und ich kann mich nicht einfach zurückgeben und ungebraucht neu aus dem Regal nehmen. So funktioniert das nicht.
Und gleichzeitig bin ich eben ich mit meinen Gaben und meinen Begrenztheiten. Und dass ich andere für das bewundere, was sie können, was ihnen gelingt und was sie auf die Beine stellen, hat eben auch mit der Unterschiedlichkeit von uns Menschen zu tun, mit der Vielfalt der Gaben und Begabungen, mit denen Gott uns geschaffen hat. Da kann ich nicht so tun, als könnte ich mit Druck auf einen Resetknopf plötzlich werden wie X oder Y.
Gleichzeitig bietet die christliche Botschaft genau an dieser Stelle eine Perspektive, die über das hinausreicht, was ich an Festlegungen in meinem Leben erlebe. Es bleibt nicht dauerhaft alles beim Alten. Lasten, Festlegungen, Prägungen, Unvollkommenheiten und Schuld sind nicht das, was das Leben dauerhaft bestimmt. Sondern in Christus, im Glauben an ihn, beginnt schon etwas Neues, ein neues Leben, werde ich eine neue Kreatur:
»Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.« (2. Korinther 5,17, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Dabei gilt: Das ist nicht, wie wenn man einen Schalter umlegt: Gerade noch alt und jetzt ganz anders und neu. Und außerdem: Als neue Kreatur bleibe ich immer noch ich, werde ich nicht ausgetauscht und bin ich auch nicht austauschbar, aber es geht etwas in Erfüllung von der Sehnsucht, dass ich noch einmal neu anfangen kann – in Christus und mit Christus.
Christoph Barnbrock
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