Kürzlich machten wir bei einer Bergwanderung eine eindrückliche Erfahrung. Nach einer Biegung tat sich vor uns der nächste Wegabschnitt auf: Ein Weg – und auf der einen Seite der nach oben aufragende Berg, auf der anderen Seite ein steil abfallender Abhang. Und dazwischen der Weg – unser Weg. Und auf diesem Weg Kühe, die sich von unseren Passierwünschen nur wenig beeindrucken ließen und das auch durch die Lautstärke ihrer Unmutsäußerungen und ihre Körpersprache zum Ausdruck brachten.
Der Weg – versperrt. Manchmal ist das so im Leben. Und meistens sind es nicht Kühe oder sonst irgendwelche Tiere, die das Weitergehen erschweren oder sogar verunmöglichen. Aber was es im Einzelnen auch sein mag: Im Normalfall fühlt sich das nicht besonders angenehm an. Oft haben wir uns ja gerade diesen Weg ausgesucht – und jetzt soll es hier nicht mehr weitergehen? Frustrierend!
Zur Geschichte meiner Familie gehört die Anekdote, dass sich mein Vater und meine Mutter wahrscheinlich nie kennengelernt hätten, wenn mein Vater an einer bestimmten Stelle seines Lebensweges nicht einen unfreiwilligen Umweg hätte gehen müssen. Dass ich lebe und es mich gibt, hat also in gewisser Weise mit einem an dieser einen Stelle »versperrten Weg« zu tun. Und ich bin froh und dankbar, dass damals alles so gekommen ist – auch wenn sich die Situation für meinen Vater damals wahrscheinlich zunächst frustrierend angefühlt haben wird.
Bisweilen handelt der Heilige Geist eben auch so, dass er sich uns in den Weg stellt oder uns jemanden oder etwas so auf den Weg positioniert, dass wir noch einmal eine andere Route wählen müssen – zu unserem eigenen Guten oder zum Nutzen anderer. Damals zum Beispiel, als Paulus gerade Timotheus als Mitarbeiter gewonnen hatte und sie zunächst frustrierende Erfahrungen machen mussten: »Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort zu predigen in der Provinz Asia.« (Apostelgeschichte 16,6, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Am Ende führten aber gerade diese Wegblockaden dazu, dass das Evangelium in Teilen der Welt gepredigt werden konnte, die bis dahin noch nicht erreicht worden waren. Wie gut!
Unsere Urlaubswegblockade durch die Kühe haben wir dann übrigens durch kleinere und größere Umwege umgehen können. Ob auch hier der Heilige Geist im Spiel war? – Ich habe es jedenfalls nicht erkennen können. Aber ganz ausschließen sollte man’s nicht, nimmt Gott doch bisweilen auch Tiere in seinen Dienst, um Menschen auf den richtigen Weg zu führen (vgl. 4. Mose 22), aber das wäre eine andere Geschichte.
Christoph Barnbrock
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