Inzwischen gibt es ja für alles und jedes Erinnerungstage im Jahresverlauf. So habe ich gelernt, dass der 17. Juni, den ich noch aus Vorwende-Zeiten als »Tag der Deutschen Einheit« kannte, unter anderem als »Internationaler Tag der Müllabfuhr« (oder eigentlich noch schöner im Englischen: »Global Garbage Man Day«) gilt.

Nun mag man darüber schmunzeln und fragen: Muss es wirklich für alles einen eigenen Tag geben? Und dann auch noch für die Müllabfuhr?

Und nein, das muss es natürlich nicht. Und doch finde ich gerade das dankbare Denken an die Müllabfuhr und die Menschen, die für sie sorgen, sinnvoll. Das hat zum einen mit dem großen Respekt zu tun, den ich dieser Berufsgruppe entgegenbringe. Bei Wind und Wetter sind diese Leute unterwegs, um sicherzustellen, dass unsere Städte und Orte nicht in Müll versinken und die Ratten die Herrschaft übernehmen.

Dabei erinnere mich daran, wie wir bei einem längeren Afrika-Aufenthalt in einer ländlichen Region ohne eine Form von Müllentsorgung auskommen mussten. Und es hat sich mir eingeprägt, wie schnell bei dem mir gewohnten Lebensstil Abfall entstanden ist, den ich nicht oder nicht wirklich sachgerecht entsorgen konnte.

Ganz offensichtlich ist es bei der Müllabfuhr wie bei manch anderem: Wir erkennen ihre Bedeutung erst dann, wenn sie fehlt. Von daher ist es vielleicht gar nicht verkehrt, sie einmal im Jahr in den Fokus zu rücken.

Und womöglich ist es bei der Vergebung ganz ähnlich. Als Christenmenschen wissen wir um Gottes Vergebung und um die verschiedenen Möglichkeiten, sie zu empfangen: anfangen beim Vaterunser über den Gottesdienst bis hin zur Einzelbeichte. Gerade weil sie so »verfügbar« zu sein scheint, kommt sie vielen vielleicht wenig spektakulär vor. »Vergebung«, das gehört halt irgendwie dazu.

Ihre Bedeutung erahnen können wir wahrscheinlich erst dann, wenn wir uns vorstellen, die Möglichkeit der Vergebung würde einmal ausfallen. Uns läge etwas auf dem Herzen, wollen es loswerden, wollen gerade auch mit Gott unseren Frieden machen – und wir müssten feststellen: Die »Schuldabfuhr« fällt aus – sieh selbst, wie du damit zurechtkommst. Das ist ein bedrängender Gedanke!

Vielleicht würde es sich lohnen, wenn wir in den Kirchen einen »Tag der Vergebung« feiern würden – so, wie es einen »Tag der Müllabfuhr« gibt. Das Judentum kennt ja mit dem Jom Kippur einen in solcher Weise geprägten Tag. Ein entsprechendes jährliches Gedenken würde uns vielleicht helfen, uns daran zu erinnern, dass der Empfang der Vergebung, die wir dem Lebenseinsatz Jesu zu verdanken haben, eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern Geschenk – auch wenn sie noch verlässlicher ist als es schon die Müllabfuhr in unseren Breiten ist.

»Unsre Missetat drückt uns hart; du wollest unsre Sünde vergeben.« (Psalm 65,4, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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