TÜV ohne Plakette

In dieser Woche musste ich mit unserem Auto zum TÜV. Zugegeben, das ist für mich nicht ganz so ein Angang wie die Zahnarztbesuche, von denen hier auch schon die Rede war. Und doch hat unser Auto inzwischen einige Jahre auf dem Buckel. Durch die letzten beiden Untersuchungen ist das Auto immer mit »geringen Mängeln« durchgekommen. Und so weiß man ja nie, wann einen ein größeres Problem erwartet. Von daher ist etwas Anspannung schon immer dabei.

In diesem Fall lief aber alles bestens. Ich hatte noch kaum den im Warteraum angebotenen Kaffee ausgetrunken, als ich schon zum Tresen gerufen wurde. Alles in Ordnung. Auto »ohne Mängel«, TÜV bestanden. Wunderbar!

So bin ich dann nach Hause gefahren. Als ich dort dann für meine Frau ein Foto von der neuen Plakette machen wollte, um ihr Anteil an der frohen Nachricht zu geben, dass das Auto den TÜV überstanden hatte, staunte ich nicht schlecht. Denn dort prangte immer noch die blaue Plakette mit der Angabe »6/2026«. Den TÜV hatte das Auto also bestanden, aber keiner konnte es sehen. Für mich bedeutete das, dass ich noch mal loszuckeln musste, um mir beim TÜV die neue Plakette aufs Nummernschild kleben zu lassen. Etwas lästig, aber auch kein großes Ding.

Bei den Fahrten hin und her dachte ich dann: Ach, irgendwie gleicht das Auto mit einer noch nicht aktualisierten Plakette meinem Leben als Christen. Da ist davon die Rede, dass ich gerechtfertigt bin, dass mir meine Sünden vergeben sind, dass mit der Taufe längst ein neues Leben in der Kraft des Heiligen Geistes begonnen hat. Das gilt so verbindlich, wie die TÜV-Bescheinigung, die ich in Händen hielt. Aber sehen tut man davon – Gott sei’s geklagt – manchmal wenig.

So bin ich – im Bild gesprochen – mein Leben lang immer noch mit der alten Plakette unterwegs – mit meinem alten Menschen, dem »alten Adam«. Aber ich gehe auf den Tag zu, wenn unser Herr Jesus Christus mich zu sich ruft, an dem dann der Bescheid, dass ich Gottes Kind bin und bleibe, auch nach außen hin sichtbar sein wird – wie die Plakette, die am Ende eben doch noch ihren Platz auf dem Nummernschild gefunden hat.

»So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.« (2. Korinther 5,6f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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