Die derzeit laufende Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ist ein wahres Füllhorn für Beobachtungen zu »Gott und der Welt«, wie sie hier im »Team Gott« immer wieder ihren Platz finden.
Dabei sorgen die größten Spieler bisweilen auch für die interessantesten Schlagzeilen. Zum Beispiel der portugiesische Fußballspieler Cristiano Ronaldo, den mir als Person, wie er sich in den Medien präsentiert, nicht sonderlich sympathisch ist. Vor seinen sportlichen Leistungen habe ich allerdings großen Respekt. Während nach Portugals erstem WM-Spiel die meisten fest davon überzeugt waren, dass der Stern von Ronaldo inzwischen untergegangen ist, drehte er beim zweiten Spiel ordentlich auf und strafte seine Kritiker Lügen. In dem Interview nach dem Spiel zeigte er sich entsprechend zufrieden:
Bemerkenswert war dabei für mich vor allem der Satz: »Gott steht denen bei, die viel arbeiten.« Der ist an und für sich natürlich nicht verkehrt. In einem Gesangbuchlied heißt es: »Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun / und Werk in deinem Willen ruhn, / von dir kommt Glück und Segen« (ELKG² 768,1 | EG 497,1)
Ja, auch diejenigen – vielleicht auch gerade diejenigen – , die viel arbeiten haben Gottes Beistand nötig. Aber hier bei Ronaldo bekommt das Ganze doch einen etwas anderen Zungenschlag. »Gott steht denen bei, die viel arbeiten.« Und denen, die weniger arbeiten, eben weniger – oder gar nicht.
Das ist zutiefst menschlich gedacht und von daher irgendwie auch nachvollziehbar, aber nicht unbedingt das, wie in der Bibel von Gott geredet wird. Ich denke da an das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, von denen am Abend jeder denselben – nämlich den zum Leben notwendigen – Lohn erhält. Diejenigen, die bei heißem Wetter den ganzen Tag geschuftet hatten, hatten offenbar die Maxime von Cristiano Ronaldo verinnerlicht, dass der Herr, also Gott, denen, die viel gearbeitet hatten, besonders beisteht und sie besonders belohnt. Aber sie mussten feststellen, dass Gott anders denkt. Sein Beistand hängt nicht an unserer Arbeit oder unserer Leistung, sondern etwas abgewandelt könnte man sagen: »Gott steht denen bei, die seine Hilfe nötig haben.«
Im Gleichnis spricht der Herr zu den fleißigsten Arbeitern »Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.« (Matthäus 20,14, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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