Auch der Teufel begegnet heute – wie die Sünde – vor allem noch in Form einer Karikatur: etwa als Fehlerteufel, wenn etwas nicht funktioniert, oder als Fleckenteufel, wenn ich partout irgendeinen Dreck nicht mehr aus meinem weißen Hemd rausbekomme.

Dass das am Ende nichts mit der biblischen Rede vom Teufel zu tun hat, dürfte offensichtlich sein. Allerdings gilt dies in ähnlicher Weise auch für bildliche Darstellungen des Teufels mit Dreizack und Pferdefuß aus früheren Jahrhunderten. Auch dies eher Zerrbilder dessen, was in der Bibel vom Teufel zu lesen ist.

In unserer Zeit kann ich auch an dieser Stelle zwei gegenläufige Tendenzen erkennen. Da sind die einen, für die es der Inbegriff des »richtigen« Glaubens ist, dass man, gelegentlich etwas unglücklich ausgedrückt, »an« den Teufel glaubt – gemeint ist meistens: dass man daran glaubt, dass es den Teufel gibt. Und dem stehen andere gegenüber, die gerade an dieser Stelle festmachen möchten, ob man eigentlich bei allem Glauben noch seinen Verstand beieinander hat: Ein aufgeklärter Mensch im 21. Jahrhundert kann nicht mehr an die Existenz des Teufels glauben, so dann die geäußerte Überzeugung, – und je konkreter die Rede von ihm ist, desto weniger.

Angesichts dessen staune ich immer wieder darüber, wie unbefangen in der Popularkultur vom Teufel die Rede ist. Anfangen bei »Sympathy for the Devil« der Rolling Stones (das wäre noch einmal einen eigenen »Team Gott«-Beitrag wert) bis hin zu »Devil« von Sobi:

In diesem Lied, das sie mit »Devil« überschrieben hat, schildert die Musikerin ein herausgefordertes Seelenleben: »Devil, take your claws out of my brain / Your lies are driving me insane« (Teufel, nimm deine Pranken aus meinem Gehirn / Deine Lügen machen mich wahnsinnig). Die Protagonistin des Liedes sieht sich verunsichert und in die Isolation getrieben: »My whole world is shaking / And I‘m all alone« (Meine ganze Welt gerät ins Wanken / Und ich bin ganz allein). Alles scheint in die Brüche zu gehen: »You shattеr every part of me / Lеave only insecurities« (Du zerschmetterst jeden Teil von mir / Lässt nur noch Unsicherheiten übrig).

Ich denke tatsächlich, dass in einer Welt, die erkennbar nicht umfassend gut ist, notwendigerweise vom Teufel zu reden ist, wenn nicht alles Schlimme auf der Welt Gott zugeschrieben werden soll – was meines Erachtens theologisch weder möglich noch wünschenswert ist. Und wenn ich an Gott als ein personales Gegenüber glaube, dann legt es sich durchaus nahe, auch den Gegenspieler Gottes personal zu denken – wenn auch nicht so verzeichnet wie in den uns allzu bekannten bildlichen Darstellungen. Es gibt entsprechend schon auch gute Gründe dafür, warum die Autoren der biblischen Bücher sich mit bildlichen Beschreibungen des Teufels extrem zurückhalten.

Aber was sie schildern, ist durchaus vergleichbar mit dem, was Sobi in ihrem Lied beschreibt: Menschen werden in Lügen eingewickelt, Gewissheiten (darunter auch die Glaubensgewissheit) werden in Frage gestellt und Menschen sollen den Eindruck gewinnen, sie wären von Gott und anderen verlassen. Ich bin sicher, viele kennen das – und wenn wir das erleben, wenn wir uns mit solchen Gedanken und Gefühlen quälen, dann ist hier nicht Gott am Werk, sondern der, der uns den Glauben an Gott, der uns auch das Leben madig machen will.

Und wie lässt sich damit umgehen? Auch hier weist uns Sobi den Weg. Denn der Refrain ihres Liedes liest sich wie ein Gebet, das sich an Gott richtet: »Show me light, / show me a way / Out of this hollow and into tomorrow« (Zeig mir Licht / zeig mir einen Weg / Raus aus dieser Grube und in einen neuen Morgen).

Wo Menschen Gott um Hilfe rufen, muss der Teufel weichen. Dabei darf eine Bewältigung solcher Probleme im Innenleben, die bisweilen auch eine als Krankheit beschreibbare Seite haben, natürlich auch mit therapeutischer und medikamentöser Unterstützung einhergehen. Gottes Hilfe in solchen bedrängenden Situationen kann nämlich auch so erfolgen.

Vor allem aber gilt es, immer neu wahrzunehmen und uns neu vor Augen zu führen, dass der Teufel, wer und wie auch immer genau er ist oder sein mag, niemand ist, vor dem Christenmenschen Angst haben müssten. Denn Jesus Christus hat ihn längst schon besiegt. So mögen wir noch seine Lügen und Einschüchterungsversuche erleben, aber es ist doch nur ein verzweifelter Versuch eines Verlierers, das Team des Siegers noch zu ärgern, bevor das Spiel abgepfiffen wird und der Sieg endgültig feststeht.

»Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er [= Jesus Christus] gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel« (Hebräer 2,14, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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