Angesichts der Tatsache, dass es Musikerinnen und Musiker in den Zeiten des Streamings nicht ganz leicht haben, um über die Runden zu kommen, unterstütze ich etwas unbekanntere Künstler/-innen gerne dadurch, dass ich CDs von ihnen kaufe (auch wenn ich ihre Songs aus Praktikabilitätsgründen am Ende doch streame) oder ihre Crowdfundingprojekte unterstütze.

So auch bei der Band »anders«, die wir vor einer Weile für uns entdeckt haben. Kürzlich ist ihr neues Album »So kurz davor« herausgekommen. Als Dank für die Unterstützung gab es dann für mich eine Deluxe-Box mit ein paar Extra-Gimmicks zur CD: ein T-Shirt, Postkarten und auch ein Radiergummi mit der Aufschrift »Neuanfang«, passend zum ersten Song des Albums.

Die Idee finde ich originell: Ein Radiergummi als Inbegriff des Neubeginns. Das, was war, kann ausradiert werden – und das Blatt kann neu beschrieben werden. Fehler können so korrigiert werden. Ich bleibe nicht festgelegt auf das, was ich geschrieben, gedacht oder getan habe, sondern ein »Neuanfang« ist möglich.

Allerdings ist das mit den Radiergummis ja so eine Sache. So ganz verschwindet das Geschriebene oft doch nicht. Auch wenn die Schrift weg ist, kann man angesichts der Druckspuren des Bleistifts oft noch erkennen, dass etwas und manchmal sogar was vorher dastand.

Ein wenig ist dies auch mit den Neuanfängen zu vergleichen, die sich mit der Vergebung ergeben. Wann immer wir einander vergeben und von Gott Vergebung empfangen, ist das, was war, tatsächlich ausgelöscht und wegradiert. Und doch bleibt die Verantwortung: Habe ich versehentlich eine kostbare Vase bei einem Besuch zerstört, kann ich zwar um Entschuldigung bitten und diese auch empfangen – die Verantwortung, für Ersatz zu sorgen, bleibt aber. Und manch einer hat Vergebung gewährt und Vergebung empfangen – und trotzdem geht ihm oder ihr das Geschehene noch nach, prägt es das Leben von Opfern und Tätern.

All das verkleinert nicht das Geschenk der Vergebung. Und schon gar nicht stellt es in Frage, dass Gottes Vergebung tatsächlich umfassend gilt und mir damit die Last genommen ist. Vor und für Gott ist tatsächlich alles weg. Und doch bleibe ich – mit Blick auf das menschliche Miteinander und im Bild gesprochen – ein Leben lang ein Papier, auf dem viel herumradiert worden ist. Die Schuld ist gelöscht, aber Spuren bleiben. Zu einem neuen, weißen Blatt Papier werde ich erst im ewigen Leben nach dieser Zeit und Welt, auf das wir im Glauben an Jesus Christus zugehen. Dann aber beginnt tatsächlich der »Neuanfang«, der seinen Namen im tiefsten Sinn verdient hat.

»Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.« (Psalm 130,8, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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