Heute ist Karfreitag, der vielleicht sperrigste kirchliche Feiertag. Längst ist es nur noch schwer vermittelbar, dass dieser Tag ein »stiller Feiertag« sein soll – ohne geöffnete Clubs und Fußballspiele. Und die Botschaft, die dieser Tag transportiert, ist es scheinbar gleich mit. Dass da jemand stellvertretend für unsere Sünde gestorben ist, ja mehr noch: sterben musste, wird von den allermeisten Menschen, selbst den Christinnen und Christen unter ihnen, als schwer verdaulich wahrgenommen. Wie soll ich das denn glauben?

Umso erstaunlicher ist, dass das Motiv des stellvertretenden Leidens und Rettungshandelns durchaus auch in der Popkultur unserer Zeit vorkommt, etwa in Herbert Grönemeyers Song »Ich dreh mich um dich«:

Einem Menschen, der am Ende ist, spricht das »Ich« im Lied zu, dass es für die angesprochene Person einsteht und stellvertretend trägt und erträgt, was diese nicht aushalten kann: »[Ich] [s]tell mich vor den bösen Blick / Deine Tränen werd‘ ich übernehmen / Alle Qualen, alle Foltern überstehen«.

Dabei ist die Sprache dieses Liedes voll von religiöser Terminologie: Von »Himmel und Hölle« ist die Rede, davon, sich »nicht vergeben« zu können, vom »Fluch« und vom »tiefste[n] Tal« (Psalm 23 lässt grüßen). Und am Ende lässt sich ein Befreiungs- und Erlösungsszenario entdecken: Die angesprochene Person, die am Marterpfahl vom Tod bedroht ist, wird losgebunden. Neues Leben ist gewonnen.

Mich hat dieses Lied als Liebes- oder zumindest Freundschaftserklärung (was es genau ist, bleibt ja offen), schon berührt und bewegt, bevor ich die Ähnlichkeiten zu Grundaussagen des christlichen Glaubens entdeckt hatte. Und vielleicht braucht es genau diese Analogien, diese Brücken, um in unserer Zeit die Befreiungsbotschaft des Karfreitags neu entdecken zu können – und damit das, was Jesus Christus da stellvertretend für uns getan und erlitten hat, damit wir leben können.

»Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.« (Jesaja 53,4f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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