Freiheit und Zwang

Konfirmandenfreizeit, letzter Tag: Im Gästehaus, in dem die Gruppe untergekommen war, muss jedenfalls so ganz grob »klar Schiff« gemacht werden. Mülleimer müssen geleert werden, die Zimmer müssen durchgefegt werden, hier und da muss auch gewischt und geputzt werden. Irgendwie ganz schön viel, was zu tun ist.

Natürlich werden Aufgaben verteilt, weil eine(r) allein, das gar nicht schaffen könnte. Aber nach der kurzen Nacht nach dem letzten (bunten) Abend hält sich die Begeisterung bei vielen eher in Grenzen. »Feg mal bitte euren Raum!« – »Oh, nö, muss das wirklich sein?« – »Ja«. Bestenfalls zieht die angesprochene Person jetzt ab, um die Aufgabe zu übernehmen – aber erkennbar unmotiviert. Und das Ergebnis der getanen Arbeit sieht dann auch häufig genau so aus.

Es gehört zu den echten Glücksmomenten in solchen Situationen, wenn plötzlich eine Person, eine Teamerin oder ein Teamer oder eben doch jemand aus dem Kreis der Konfirmandinnen und Konfirmanden, plötzlich vorbeikommt und sagt: Ich hab meine Aufgabe erledigt, ich habe Zeit und bin frei. Kann ich dir noch irgendetwas abnehmen? Wie schön! Aus dem Nichts. Ohne fragen zu müssen. Ohne sich ein unmotiviertes »Och nö« abzuholen. Mit Engagement und Leidenschaft. So soll es eigentlich sein!

Am heutigen Gründonnerstag gerät neben der Einsetzung des Heiligen Abendmahls in den Kirchen auch die Fußwaschung in den Blick. Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße – eigentlich eine dreckige, unangenehme Arbeit für Sklaven, Diener und Angestellte. Und er fordert sie (und damit auch uns) auf, seinem Beispiel zu folgen.

Dabei geht es aber nicht darum, nun auch noch den Punkt »Fußwaschung« auf unsere To-Do-Listen zu setzen und sie irgendwie – mehr oder weniger lieblos – abzuhaken (auf das konkrete Füßewaschen kommt es am Ende auch gar nicht an). Es ist auch nichts gewonnen, wenn ich gefrustet und gezwungen abziehe, Jesus noch ein »Och, nö« entgegenrufe und mich dann mal so ein bisschen in Nächstenliebe übe.

Sondern Jesu Gedanke ist der: Er befreit uns. Er dient uns. Er sorgt dafür, dass wir haben, was wir für unser Leben – gerade auch unser Leben mit Gott – brauchen. Und so haben wir Freiheiten und können wie die Person auf der Konfirmandenfreizeit auf die anderen zugehen und fragen: Brauchst du was? Kann ich was für dich tun? Ich bin frei und ich habe frei. Ich kann dir helfen!

Jesus Christus spricht: »Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.« (Johannes 13,14f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


Entdecke mehr von Team Gott

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner