In diesem Jahr liegt der 1. April – etwas unpassend – in der Karwoche. Die Karwoche ist zwar keine Spaßverderberin, aber lädt doch ein, einmal für ein paar Tage runterzuschalten, vielleicht auch zu schauen, ob immer alles und jeder lächerlich gemacht werden muss. Es ist Zeit, um eben auch Jesu Leiden und Sterben noch einmal anders und genauer in den Blick zu nehmen. Da passt zu großer Klamauk nicht wirklich.
Trotzdem bin und bleibe ich ein Freund des 1. Aprils und dem damit verbundenen Brauch, an diesem Tag andere einmal ungestraft auf den Arm nehmen zu dürfen und »in den April zu schicken«. Denn hiermit erhält der Humor mal einen festen Platz im Kalender – und der ist in vielerlei Hinsicht für unser Miteinander als Menschen wichtig. Das Ganze ist gut, damit wir nicht vergessen zu lachen – nicht zuletzt auch über uns selbst.
Denn das beste Lachen ist nicht das, mit dem ich gehässig andere auslache – das ist billig und schal. Sondern das beste Lachen ist, wenn ich mich im Witz zumindest ein kleines bisschen selbst ertappt sehe, ich mich nicht zu ernst nehme und befreit auch über meine eigene Person lachen kann.
Meiner Meinung nach passen Humor und Lachen auch bestens zum christlichen Glauben, weil die Erlösung mich auch dazu befreit, über manches, was nicht perfekt ist – und eben auch über mich selbst – zu lachen, weil ich weiß: Am Ende wird um Christi willen alles gut. Und geliebt bin ich von Gott trotz dem, was manchmal auch lächerlich an mir ist.
Bleibt noch die Frage. Hat Jesus eigentlich Witze erzählt? – Diese Frage lässt sich – so gerne ich »Ja« sagen würde – seriös von der Bibel her nicht beantworten. Was wir aber wissen, ist, dass Jesus durchaus einmal groteske Situationen entworfen hat, um seinen Zuhörerinnen und Zuhörern etwas zu verdeutlichen.
Da denke ich etwa an Jesu Wort: »Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.« (Markus 10,25, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Das ist wirklich grotesk. Wie soll denn das gehen? Für die Menschen damals war das Nadelöhr eine der kleinsten Öffnungen, die sie sich vorstellen konnten, und das Kamel eins der größten Tiere. Und ich sehe vor meinem inneren Auge, wie die – überwiegend wohl eher armen – Zuhörer einen der Reichen ihrer Stadt im Sinn hatten und sich in Verbindung mit ihm nun vorstellten, wie ein Kamel sich durch ein Nadelöhr zwängte. Und ich kann es mir nicht anders denken, als dass sie dabei mindestens geschmunzelt, wenn nicht sogar schallend gelacht haben.
Richtig gut wird die Geschichte aber dadurch, dass zumindest die Jünger nicht bei der gehässigen Schadenfreude stehen geblieben sind und mal so richtig über die Reichen abgelästert haben, sondern sie – wie das bei einem guten Witz auch ist – sich eben auch selbst selbstkritisch im Blick hatten. Deswegen fragen sie »entsetzt«: »Wer kann dann selig werden?« (Markus 10,26).
Aber noch besser wird die Geschichte schließlich durch Jesu Antwort: »Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.« (Markus 10,27). Denn damit ist das reichlich groteske Bildwort zu seinem Ziel gekommen, dass Menschen – besonders solche, die reich und mächtig sind und meinen, alles allein zu können, nicht auf sich und ihre eigenen Möglichkeiten schauen, sondern alles von Gott erwarten.
Ja, Gott kann machen, dass Menschen selig werden – Reiche und Arme. Und dann passt dies alles doch wieder bestens in die Karwoche, weil Karfreitag eben das geschehen ist, dass Gottes Sohn, Jesus Christus, Menschen, Reiche und Arme, selig gemacht hat, gerettet hat. Wie schön! Und allemal – selbst in dieser stillen Woche – ein Grund zu erlöstem Lachen.
Christoph Barnbrock
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