Es gehört zu den originellen Doppeldeutigkeiten der deutschen Sprache, dass der Begriff »Schein« sowohl etwas bezeichnen kann, was nicht echt ist, also »mehr Schein als Sein« ist, als auch ein Zahlungsmittel.
Nun wäre es billig, hier zu einem Rundumschlag gegenüber dem Finanzwesen auszuholen – frei nach dem Motto: »Siehst du ja gleich: Das Geld ist auch nur Schein und nicht Sein.« Sondern natürlich hat sich Geld als Tauschmittel in den westlichen Industrienationen bewährt. Und natürlich weiß ich auch, dass Geld im Rahmen einer funktionierenden Finanzwirtschaft keineswegs nur ein schöner Schein ist, sondern ganz im Gegenteil ein erheblicher Machtfaktor.
Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass das Geld nur so viel wert ist, wie ich und andere ihm an Vertrauen entgegenbringen. Gerade in Zeiten von Hyperinflation, wie sie sich in den letzten Jahren etwa in Südamerika erleben ließ, lässt sich beobachten, wie das Geld, das ich heute noch für ein Vermögen halte, morgen nichts mehr wert sein kann.
Geld braucht Menschen, die ihm vertrauen. Sonst ist es am Ende nichts mehr wert, weil zumindest beim Papiergeld der Wert, für den es steht, in keinem Verhältnis zum Materialwert steht, den ich in Händen halte (bei den Goldmünzen in der Antike dürfte das zumindest ein wenig anders gewesen sein).
All diese Überlegungen – und vielleicht auch die Doppeldeutigkeit des Begriffes »Schein« – mögen und sollen nicht gleich dazu führen, dass Menschen zu großen Kapitalkritikern werden. Aber sie erinnern mich daran, dass die Sicherheit und die Geborgenheit, die Geld geben kann, doch immer nur relativ ist und relativ sein kann. Wenn ich all meine Hoffnung und all mein Vertrauen nur auf meine finanzielle Möglichkeiten setze, dann kann ich mein blaues Wunder erleben. Das wäre von einem Zwischentauschmittel, das Geld nun einmal im Kern ist, zu viel verlangt.
Entsprechend kann Jesus Christus Menschen am Ende vor eine grundsätzliche Alternative stellen: »Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon [= dem Gott des Geldes].« (Matthäus 6,24, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Das bedeutet nun nicht, dass wir nicht mehr mit Geld umgehen dürften oder dass es nicht sinnvoll wäre, sich um finanzielle Vorsorge zu kümmern. Aber damit ist die Frage gestellt, wem ich im Letzten vertraue: Gott, dem ich auch all meinen Besitz und auch mein Geld verdanke, oder den Geldscheinen, für die im doppelten Sinn gilt, dass wir es bei ihnen mit einem »Schein« zu tun haben. Für Gott gilt – und dafür steht insbesondere Jesu Einstehen für uns am Kreuz – dass seine Liebe und Fürsorge für uns definitiv mehr Sein als Schein ist.
Christoph Barnbrock
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