»Du hältst auch jetzt«

Zu den schmerzhaftesten Erfahrungen im Christenleben gehört sicherlich das Erleben von Gottes Schweigen. Menschen beten zu Gott – und er scheint die Bitten nicht zu erhören. Nichts verändert sich. Menschen erbitten Hinweise, was für sie jetzt dran ist, und sie erkennen doch den Weg nicht.

Von Situationen wie diesen erzählt dieses Lied: »Wo bist du, Gott?«

Eine Reihe von Erfahrungen sind hier eingefangen: Das »Wehtun« in mir drin, Gefühle von »Enge«, von Ausweglosigkeit. »Riesen« stehen im Weg und das »Licht geht aus«. Ja, so ist es manchmal. Und Gott – der scheint zu schweigen, der scheint nicht einzugreifen.

Dieses Lied stellt dem entgegen: »Du hältst auch jetzt«. Das ist die Botschaft, die wiederholt wird – melodisch keineswegs besonders spektakulär, eher wie so ein Grundton, der unter allem anderen liegt und gerade deswegen allzu leicht überhört zu werden droht. Das Bekenntnis »Du hältst auch jetzt« ist es, das wiederholend gegen alle Erfahrung von (vermeintlichem) Gottesschweigen steht.

Wie aber kommen Menschen zu diesem Glauben »Du hältst auch jetzt«? Sie gewinnen es aus Gottes Wort. Denn selbst da, wo wir meinen, Gott nicht wahrzunehmen, ihn nicht reden zu hören, redet er ja doch zu uns. Die Worte der Bibel sind seine Worte, mit denen er das vermeintliche Schweigen durchbricht. Und es sind erfahrungsgesättigte Worte, etwa wenn die Klage von Menschen darin vorkommt, sie vor Gott kein Blatt vor den Mund nehmen und am Ende eben doch erkennbar wird: »Du hältst auch jetzt.«

»Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht. Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.« (Psalm 27,12f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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