Wenn man mal genauer drüber nachdenkt, sind Fenster eine ziemlich faszinierende Angelegenheit. Einerseits sind sie fest und stabil, dass sie vor Kälte, Wind und Regen schützen. Andererseits sind sie so durchlässig, dass die Sonne hineinscheint und ich sehen kann, was draußen alles passiert.

Wie wertvoll das ist, merke ich, wenn ich entweder in einem Raum ohne Fenster sitze und es mir gewaltig auf die Nerven geht, dass ich gar nichts mitbekomme von dem, was draußen so passiert. Oder wenn ich irgendwo draußen sitze und ich keinen Schutz vor Sturm und Regen habe.

Das Fenster schafft eine Verbindung von Innen und Außen. Ja, ich halte mich in einem Gebäude auf – und trotzdem kann ich wahrnehmen, was vor der Tür los ist. Wenn ich mich in einem Hochhaus aufhalte und an den Ort möchte, den ich durchs Fenster gesehen habe, kann es allerdings eine ganze Weile dauern, bis ich dort angekommen bin. Da gilt es manchmal erst Treppen zu überwinden oder Aufzüge zu nutzen, Türen zu öffnen und zu schließen. Und dann bin ich endlich an dem Ort, den ich durchs Fenster längst schon gesehen hatte.

In gewisser Weise gleicht das Leben als Christen dem Aufenthalt in einem Zimmer mit Fenster. Viele haben es in diesem Zimmer gut (ich weiß, Gott sei’s geklagt: leider nicht alle!). Vieles, was ein Mensch zum Leben braucht, gibt es hier. Schutz, Nahrung, Menschen, die für mich da sind. Aber dann gibt es da dieses Fenster, durch das ich nach draußen schauen kann. Und ich stelle fest: Da gibt’s ja noch mehr als das, was sich in diesem Zimmer, in dieser Wohnung befindet. Gottes Sonne scheint schon von außen in den Raum meines Lebens hinein. Und durch Gottes Wort gewinne ich einen Ausblick auf eine Welt, die es auch noch gibt, wo ich jetzt aber noch nicht bin.

Bis ich dort ankomme, werde ich noch einige mühsamen Treppen überwinden müssen, vielleicht geht mir sogar zwischendurch die Puste aus. Türen lassen sich nur mühsam öffnen. Und manchmal verliere ich in den Korridoren womöglich sogar den Blick auf das, was draußen ist. Aber dann kommt der Tag, an dem mir von außen von Jesus Christus die letzte Tür geöffnet wird und ich aus dem Gebäude dieses Lebens nach draußen ins Freie trete und ich es genieße, dass das Licht Gottes, das ich bisher nur durchs Fenster wahrgenommen habe, mir direkt ins Gesicht scheint.

Johannes schreibt: »Und ich sah den Himmel aufgetan«. (Offenbarung 19,11, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)

Christoph Barnbrock


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