»Weniger ist mehr« ist so eine Lebensweisheit älterer Menschen, die bei Jüngeren bisweilen dazu führt, dass sie die Augen verdrehen. Und in vielen Bereichen klappt es auch nicht. Weniger Taschengeld ist nicht plötzlich mehr Taschengeld. Oder weniger Urlaub ist auch nicht plötzlich mehr Erholung.

Und gleichzeitig ist da was dran. Unter dem Stichwort »Auswahlparadox« wird das Phänomen beschrieben, dass, je größer die Auswahl an einem Produkt ist, umso weniger gekauft wird. Die Auswahl macht die Kaufentscheidung nicht leichter und die Zufriedenheit also gerade nicht größer, sondern erschwert das Zugreifen und sorgt auch nicht unbedingt für größere Glücksgefühle, denn ich komme womöglich ins Zweifeln: »Vielleicht hätte ich statt der Erdbeermarmelade von X doch die von Y nehmen sollen oder doch die von Z…?«

In einer Welt, in der die Logik der Werbung ist, dass immer mehr Konsum uns am Ende glücklich(er) macht, ist die Erinnerung an das »Weniger ist mehr« von daher durchaus heilsam. Statt noch mehr und noch mehr und noch mehr anzuschaffen, könnte es lohnen, das wertzuschätzen, was wir haben. »Weniger ist mehr« Statt zu meinen, dieses und jenes und das auch noch erleben und mitnehmen zu müssen, könnte Konzentration auf ein Ereignis ein Schatz sein. So kann ich es überhaupt erst richtig wahrnehmen, weil ich in Gedanken nicht gleich schon beim nächsten Event bin. »Weniger ist mehr«.

Dass auch im Leben vor Gott immer wieder das »Weniger ist mehr« gilt, macht auch der Apostel Paulus regelmäßig deutlich, etwa, wenn er schreibt: »Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen […].« (Römer 13,13, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Hier steht ja nicht in Frage, dass wir jeden Tag Essen und Trinken nötig haben. Aber das »immer noch mehr und noch mehr«, das Verlieren jedes Maßes, das tut uns weder körperlich noch geistlich gut. Wir werden wohl nicht glücklicher werden, wenn wir immer mehr haben. Aber wir werden es gut haben, wenn wir im »Weniger« oder im »Mehr« den bei uns haben, der uns schenkt, was wir zum Leben brauchen, unseren Vater im Himmel.

Christoph Barnbrock


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