Kann man Wunder musikalisch darstellen? – Der Pianist Andy Houscheid hat jedenfalls einen entsprechenden Versuch unternommen.

Dabei lässt sich davon durchaus manches über »Wunder« lernen. Das Musikstück ist ja geprägt von vergleichsweise einheitlichen, wenn nicht sogar monotonen Ton- und Akkordfolgen. Für mich zeigt sich darin etwas von den Routinen des Alltags. Jeden Tag dasselbe: Der Wecker klingelt, Anziehen, Frühstücken, Arbeit, Essen, noch mal arbeiten, Spülmaschine ausräumen, Wäsche aufhängen, noch ein bisschen was lesen und dann wieder schlafen.

Ab etwa Minute 1 passiert in dem Stück von Andy Houscheid allerdings etwas. Auf diesen relativ eintönigen Klangteppich legen sich als Oberstimme einzelne Töne und Tonfolgen. Sie blitzen auf und sind dann auch gleich schon wieder weg. Und doch geben gerade sie den Akkorden, die das ganze Stück durchziehen, einen ganz besonderen Glanz.

Wir leben in einer Zeit, die einigermaßen wunderfrei daherzukommen scheint. Spektakuläre Totenauferweckungen, wie das Neue Testament sie etwa berichtet, erleben wir üblicherweise nicht. Und das mit dem Wasser zu Wein aus der Hochzeit zu Kana würde sich zwar vielleicht auch manch einer wünschen – aber auch das gibt es ganz offensichtlich nicht auf Bestellung.

Aber vielleicht sind wir auch so in den Akkordfolgen unseres Alltags gefangen, dass wir die Obertöne, die Gott in unser Lebenslied hineinspielt, gar nicht mehr wahrzunehmen vermögen. Da gibt es die Wunder in der Schöpfung, das Wunder des menschlichen Lebens, das wir trotz allem technischen Fortschritt nicht selbst erzeugen können, und das Wunder, dass Gott mit uns redet. Wer ein neugeborenes Kind in den Händen hält, der hört dann schon einmal diese wunderbaren Obertöne. Oder wen ein Bibelwort trifft, indem es zur Neuorientierung ruft oder tröstet, der hat vielleicht auch so einen Ton jenseits der Akkordfolgen wahrgenommen.

Grundlegend dafür ist aber, dass uns Augen und Ohren geöffnet werden, so wie es in Psalm 119 heißt: »Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.« (Psalm 119,18, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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