Das Wort »Vergeben« gehört zu denjenigen Begriffen im Deutschen, die am unterschiedlichsten verwendet werden können. Da kann einigermaßen sachlich davon die Rede sein, dass ein Auftrag an X oder Y »vergeben« wird. Wenn die Person, die ich anhimmele und der ich meine Liebe gestehe, allerdings bemerkt, sie sei schon »vergeben«, dann wird mich das eher schmerzen – ebenso einen wie einen Sportler, der einen Matchball »vergeben« hat.

Irgendwie steckt in diesen eher negativen Wortverwendungen etwas davon drin, dass ich mit dem, was ich vorhabe, nicht wirklich zum Ziel gelange. Anderes steht dem im Weg: eine andere Person, die von der angehimmelten Person geliebt wird, oder ein gegnerischer Sportler, der in diesem Moment stärker ist als ich.

Wenn wir im christlichen oder auch einfach zwischenmenschlichen Sinn von »Vergebung« und »vergeben« sprechen, dann ist damit etwas grundsätzlich Positives gemeint. Und natürlich ist mir bewusst, dass das Wort grammatikalisch hier anders verwendet wird als in den ersten Fällen – ich also (im Bild gesprochen) nicht einfach »Äpfel« mit »Birnen« vergleichen kann.

Und doch reizt es mich, heute mit diesen unterschiedlichen Wortbedeutungen und -verwendungen zu »spielen«. Mir wird meine Schuld und Sünde vergeben, weil Gott an seinen Sohn einen Auftrag »vergeben« hat, nämlich mich und dich und alle Welt zu retten. Mir wird vergeben, weil Jesus Christus längst schon »vergeben« ist – nämlich voller Liebe an dich und mich. Und alle Lieblosigkeit in meinem Leben hat ihren Matchball »vergeben«, weil Christus diesen voller Liebe gekonnt retourniert und so das Spiel für uns gewonnen hat.

In diesem vielfachen Sinn: Alles längst »vergeben.«

»Und der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast.« (4. Mose 14,20, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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