Mit »Warum«-Fragen kann man sich unendlich befassen, ohne zu befriedigenden Lösungen zu kommen. Etwas albern nimmt das eine Redewendung auf: »Warum ist die Banane krumm?« Ja, warum? Keine Ahnung. Ich habe zwar nicht Biologie studiert, aber immerhin die entsprechende Folge der »Sendung mit der Maus« geguckt:

Nun gibt diese Folge zwar durchaus in gewisser Weise eine Antwort auf die Frage, wie es kommt, dass die Banane krumm ist. Aber auf die tiefer darunterliegende »Warum«-Frage gibt auch dieser Film keine Antwort. Warum wächst eine Bananenstaude nun gerade so und nicht anders? Gäbe es nicht auch ganz andere Möglichkeiten? Bestimmt gäbe es die – aber jetzt ist es nun einmal so, dass Bananen eben so wachsen. Und viel relevanter als die Frage, warum Bananen krumm sind, ist im Alltag ja die Frage, wozu ich sie verwenden kann und was eigentlich besonders leckere Rezepte mit Bananen sind.

Auch im christlichen Glauben kann man sich in »Warum«-Fragen verlieren. Warum ist das Böse in die Welt gekommen? Warum ist mir etwas Schlimmes in meinem Leben zugestoßen? Warum musste Jesus Christus am Kreuz für mich sterben – wäre das nicht auch irgendwie anders gegangen?

Über all diese Fragen kann man eine Ewigkeit nachgrübeln, ohne wirklich zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen. Vielleicht lässt sich das eine oder andere plausibilisieren. Aber am Ende bleibt es wahrscheinlich so, dass ich zunächst einmal – wie bei den Bananen – anerkennen muss: Es ist nun einmal so – und dem »Warum« werde ich nicht bis ins Letzte auf die Spur kommen.

In einem Gespräch wird Jesus auch einmal mit einer »Warum«-Frage konfrontiert. als ihm und seinen Gesprächspartnern ein Mensch begegnet, der von Geburt an blind ist: »Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?« (Johannes 9,2, Lutherübersetzung 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Und dahinter steckt ja das »Warum«: Warum ist er blind? Was ist der letzte Grund dafür?

Jesus aber lässt sich nicht darauf ein, sondern antwortet so, dass das »Wozu« stärker in den Blick gerät: »Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.« (Johannes 9,3).

Es ist ein bisschen wie bei der Banane: Am Ende ist es mit der Banane so, wie es ist. Sie wächst krumm an einer Staude. Aber was wirklich interessant ist, ist die Frage: Was mache ich jetzt mit ihr? – Bei den »Warum«-Fragen, die uns so umtreiben, kann es manchmal eine Hilfe sein einzugestehen, dass wir nicht wirklich ergründen können, warum etwas geschehen ist. Aber vielleicht lässt sich eher etwas erkennen, wozu das gut sein könnte und wie sich jetzt das Leben gestalten lässt, wo die Dinge sind, wie sie sind.

In der genannten Geschichte philosophiert Jesus allerdings nicht einfach so herum, sondern hilft auch – in diesem Fall sogar sichtbar. Wann immer wir uns mit »Warum«- und vielleicht auch »Wozu«-Fragen herumquälen, dürfen wir gewiss sein: Uns hilft er auch. Manchmal klar erkennbar – und manchmal im Verborgenen, indem er uns hilft, die unbeantworteten Fragen und manches Schwere auszuhalten.

Christoph Barnbrock


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