Ist das Kunst …?

Seit einiger Zeit bin ich Mitglied in einem lokalen Literaturclub. Der veranstaltet unter anderem regelmäßig Leseabende, zu denen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld ein Buch lesen, um sich dann darüber auszutauschen. Dabei stehen mehrere dieser Leseabende immer unter einem Thema. Zuletzt ging es um Bücher rund um das Thema »Kunst«.

Und da konnte es ja gar nicht anders sein, als dass irgendwann die Frage aufkam: Was ist eigentlich Kunst? Gibt es heute überhaupt noch Kunst? Ist so etwas wie das Kunstwerk »Comedian«, bei dem eine Banane mit Panzertape an der Wand befestigt ist, Kunst? Und wie viel Können muss eigentlich in Kunst stecken, damit Kunst Kunst ist?

Die Meinungen im Gespräch reichten erwartbar von der einen Position, dass Kunst überall dort beginnt, wo Menschen versuchen, sich, ihre Gefühle und ihr Leben auszudrücken, bis zu der anderen, dass es heute eigentlich gar keine Kunst mehr gebe.

Bemerkenswert ist ja auf jeden Fall, dass Künstler, die wir heute als die Allergrößten feiern, in ihrer eigenen Zeit wenig Anerkennung gefunden haben. Viele von ihnen waren zeitlebens arm, während heute ihre Bilder für Millionen gehandelt werden. Was in einer bestimmten Zeit als banal und handwerklich mangelhaft galt und deswegen verächtlich zur Seite getan wurde, kann in anderen Zeiten offensichtlich Menschen ansprechen, bewegen und berühren.

Es ist wohl so, wie die Redewendung sagt: »Kunst liegt – jedenfalls auch – im Auge des Betrachters«. Und es gibt nicht unbedingt objektive Kriterien dafür, was Kunst ist oder eben auch nicht. Sondern etwas wird Kunst für mich, weil es mich anspricht, und mich berührt. Kunst will entdeckt werden.

Mit dem Reich Gottes – mit Gottes Wirken unter uns – ist es auf eine gewisse Weise vielleicht ganz ähnlich (auch wenn dieser Vergleich erkennbar an Grenzen stößt). Manche Menschen fragen uns Christen, wo denn etwas von Gottes Handeln zu sehen sei. Und sie erwarten dann ein Zeichen vom Himmel oder irgendeine spektakuläre Erscheinung. Aber in dieser Hinsicht ist es mit Gottes Wirken tatsächlich wie bei der Kunst. Gottes Wirken erschließt sich nicht zuletzt im Alltäglichen, im oft Übersehenen – mitten unter uns. Und es wartet darauf, von uns entdeckt zu werden.

Jesus Christus spricht: »Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.« (Lukas 17,20f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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