Manchen Menschen ist die Bibel zu lang. Anderen Menschen ist die Bibel zumindest in Teilen zu unglaubwürdig. Und wieder andere stolpern darüber, dass die Geschichten aus dem Leben Jesu gleich in vierfacher Weise, nämlich in vier Evangelien, und dabei durchaus mit unterschiedlichen Akzentsetzungen berichtet werden. Wie wäre es angesichts dessen eigentlich, mit Schere und Kleber dran zu gehen und eine kurze, einheitliche Version des Lebens Jesu zu erstellen, bei der gleich auch all das noch ausgeschnitten wird und im Mülleimer landet, was einem modernen Menschen unglaubwürdig erscheint?
Das ist nicht bloß ein Gedankenexperiment, sondern es gibt tatsächlich eine solche »Bibel«, die niemand Geringeres als der dritte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Thomas Jefferson, zusammengestellt hat: die sogenannte »Jefferson-Bibel«. Nun gehört es zur Fairness dazu festzustellen, dass Jefferson selbst sie nicht als »Bibel« zusammengestellt hat, sondern unter dem Titel »The Life and Morals of Jesus Christ« erarbeitet hat. Das im Internet abrufbare Faksimile lässt erkennen, wie er dabei offenbar tatsächlich mit Schere und Kleber aus verschiedenen Texten und Textausgaben eine neue Textfassung erstellt hat.
Mich überzeugt dieser Versuch nicht. Zum einen endet die »Jefferson-Bibel« mit der Grablegung Jesu dann doch etwas sehr trist. Und dass Jesus einfach nur als Morallehrer portraitiert ist, ist mir dann doch deutlich zu wenig. Und ja, ich vermisse auch die Wunder – in denen zeichenhaft erkennbar wird, dass Jesus Christus die Macht hat, das Alltägliche und für uns Unentrinnbare heilvoll und machtvoll aufzubrechen.
Und mir fehlt auch die Vielstimmigkeit der Evangelien, die gerade in unserer Zeit, finde ich, hohe Plausibilität hat. Wenn heute 3D-Modelle erstellt werden, dann wird das Original von möglichst vielen Sensoren von unterschiedlichen Seiten aufgenommen, um dann das Original möglichst plastisch darzustellen. Für mich sind die vier Evangelien mit ihren unterschiedlichen Perspektiven genau so einfach Versuch, Jesus Christus nicht nur eindimensional, sondern mehrdimensional darzustellen.
Im Webshop des Smithsonian Museum of American History lässt sich für 35 USD eine gedrucktes Exemplar dieses Buches kaufen. Für Geschichtsnerds mag das genau das Richtige sein. Für mein geistliches Leben greife ich allerdings lieber auf die klassischen und nicht mit Schere und Kleber bearbeiteten Bibelausgaben zurück.
Der Evangelist Lukas jedenfalls legt jedenfalls Rechenschaft darüber ab, wie sorgfältig er zeitnah zu den Ereignissen für sein Evangelium recherchiert hat (vgl. Lukas 1,1–4). Und noch bedeutsamer: In alledem lässt sich das Wirken des Heiligen Geistes erkennen:
»Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.« (2. Timotheus 3,16, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
Entdecke mehr von Team Gott
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
