Orte, an denen echte Stille herrscht, gibt es inzwischen selten. Bestenfalls sind es Vögel, die fröhlich herumzwitschern. Aber normalerweise sind es Geräusche, die wir Menschen erzeugen. Ein Auto, das vorbeifährt. Ein Handy, das Töne von sich gibt. Türen, die zugeschlagen werden.

So ist das Nichtvorhandensein von Stille auch ein Zeichen für unsere menschliche Daueraktivität. Immer ist irgendwer am Machen und Tun. Dauerhaft versucht irgendjemand, Probleme in den Griff zu bekommen, etwas voranzubringen und zu schaffen.

Und gut ist das, weil wir sonst gar nicht überleben würden. Wenn wir uns alle einfach nur hinlegen würden und warten würden, dass uns – wie in einem fiktiven Schlaraffenland – die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, hätten wir schnell ein Problem. Es ist gut, dass wir handlungsfähig sind und dass wir in vielerlei Hinsicht gut handeln. Und noch besser, wenn wir dabei nicht nur uns, sondern auch unsere Mitmenschen im Blick haben.

Allerdings gibt es auch ein »Zuviel«: Zu viel Machen, Schaffen, Tun – und zu wenig Stille. Einmal Nichtstun, erleben und sich bewusstwerden, dass unser Leben im Letzten nicht von unserem Tun und Lassen abhängt, sondern dass Gott unser Leben in Händen hält, bewahrt, segnet und leitet.

In einem der Psalmen heißt es: »Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!« (Psalm 46,11, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Und mit diesem »Stillesein« ist weniger ein Verzicht auf Geräusche gemeint, sondern mehr dies: Ablassen vom Alltagstrott, aufhören, mich in Aktionismus zu verlieren, das loslassen, woran ich mich so krampfhaft festhalte. Und so Zeit und Raum für Gott gewinnen – um zu erkennen, dass er es ist, der grundlegend wichtig für mein Leben ist.

Christoph Barnbrock


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