Paradox des Richtigmachens

Heute ist es mal wieder Zeit für Sobi, die Ende Januar ein neues Lied veröffentlicht hat:

Einer der Gedanken, die dieses Lied einfängt, ist dieser: Wie schwer es geworden zu sein scheint, zu helfen: »Clean up on Aisle 10. / They spilled the milk again, / but everyone’s scared / to make it worse. / Instead of fixing what we can / we only stop and stand. / When did it become so hard to help?« (Mach in Gang 10 sauber. Jemand hat schon wieder die Milch verschüttet, aber jeder hat Angst, es nur noch schlimmer zu machen. Statt das anzugehen, wozu wir in der Lage sind, bleiben wir einfach stehen. Seit wann ist es so schwierig geworden zu helfen?)

Aus meinen Erste-Hilfe-Kursen ist mir als Faustregel im Sinn geblieben: Es gibt fast nichts, was ihr einem Notfall falsch machen könnt – außer: einfach weggehen und nichts tun. Aber vielleicht sind es tatsächlich die Ansprüche an uns, Dinge richtig zu machen (oder bloß nichts falsch zu machen), die uns dazu führen, am Ende tatsächlich gar nichts zu machen – und gerade damit eben nicht sonderlich hilfreich zu agieren.

Für Christinnen und Christen gilt das genauso. Nicht umsonst wird uns im Neuen Testament Jesu Gleichnis vom »Barmherzigen Samariter« überliefert. Die Frommen, die auf dem Weg vorbeikamen, wollten alles richtig machen, sich die Finger nicht schmutzig machen, dafür sorgen, dass sie noch ihren gottesdienstlichen Pflichten nachkommen konnten – und machten damit doch alles falsch, indem sie dem Menschen in Not nicht geholfen haben. »Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.« (Lukas 10,31, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Wir können uns die Finger schmutzig machen, um anderen zu helfen – weil es am Ende nicht auf unsere sauberen Finger ankommt, wie wir vor Gott dastehen, sondern auf Jesus Christus. Das macht uns aber tatsächlich frei zu helfen, wo immer wir helfen können. Und auch hier gilt: Eigentlich kann man nichts falsch machen, wenn man anderen hilft – außer man hilft gar nicht und geht vorbei.

»Gott, schenke mir offene Augen und ein mutiges Herz, dass ich meinen Mitmenschen helfe, wo ich helfen kann. Amen.«

Christoph Barnbrock


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