Wie früher schon einmal erwähnt, mache ich durchaus geistliche Entdeckungen bei meinem Zahnarzt. Dazu gehört auch das kleine Kreuz, das dort über der Eingangstür hängt. In der Mitte sind Brot und Weintrauben abgebildet. Und auf den vier »Armen« des Kreuzes sind dann jeweils Hände abgebildet, die sich zu Brot und Weintrauben ausstrecken.
Als Theologe entdecke ich da natürlich zweierlei: Brot und Weintrauben sind Symbole für Nahrung allgemein. Und: Brot und Wein(trauben) stehen auch für die Gaben des Abendmahls.
Was bedeutet es nun, dass gerade dieses Kreuz in einer Zahnarztpraxis über der Tür hängt und es mir immer dann vor Augen ist, wenn ich die Praxis nach getaner (bzw. erlittener) Arbeit wieder verlasse? Es ist ganz offensichtlich keine medizinische Empfehlung, was ich nach der Zahnbehandlung in den nächsten Stunden essen darf oder auch nicht. Was aber dann?
Für mich, der ich beim Zahnarzt immer etwas ängstlich und empfindlich bin, ist es eine Erinnerung daran, was wirklich wichtig ist im Leben. Wenn ich da auf dem Zahnarztstuhl liege, dann dreht sich für mich ja alles nur um den kaputten Zahn, um meine Angst und ggf. um die Schmerzen. Als sei das alles, was zählt.
Wenn ich nun die Praxis verlasse und mein Blick auf das Kreuz fällt, werde ich erinnert: Dass ich leben darf, dass ich Nahrung habe, ist nicht selbstverständlich. (Und ich füge an dieser Stelle einmal dazu: dass ich eine professionelle zahnmedizinische Behandlung in Anspruch nehmen, darf, die sich von der des Mittelalters unterscheidet, ist ebenfalls ein unermessliches Geschenk). Hier zeigt sich etwas von der Liebe und Fürsorge Gottes, der in Jesus Christus Mensch geworden ist.
Und angesichts des Verfalls menschlichen Lebens, der sich nicht zuletzt im Zahnbereich zeigt, darf ich wissen: Mit der Feier des Abendmahls wird die Tür von Christus selbst immer schon aufgestoßen zu einem ewigen Leben, in dem ich die körperlichen ›Baustellen‹ hinter mir lasse und ich schon jetzt Anteil bekomme an dem Freudenfest der Ewigkeit.
Jesus Christus spricht: »Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben.« (Johannes 6,27, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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