Ich habe nicht jeden Tag gleichermaßen Kraft und Motivation für das, was ansteht. Manchmal freue ich mich auf die Aufgaben, die vor mir liegen, und ich bin überzeugt, dass ich sie gut werde bewältigen können. Und dann gibt es Tage, an denen ich vor all dem wie vor einem riesigen Gebirge stehe. Das soll ich schaffen und in den Griff kriegen?
Dass die »Tagesform« schwankt, ist dabei völlig normal. Schwerer wird es, wenn ein Mensch durch Krankheit seiner Kräfte beraubt ist und nicht wieder so leicht zu Kräften kommt. Das kann psychische oder physische Gründe haben (oder beides kombiniert).
Wann immer die Kräfte fehlen, merke ich, dass es zwar bisweilen sinnvoll sein kann, mich zusammenzureißen und dann das anzugehen, was anliegt. Wer kleine Kinder hat, kann ja etwa nicht nach Tagesform entscheiden, ob er sich um sie kümmert oder nicht. Sondern das ist einfach dran. Und gleichzeitig wird vielleicht gerade in solchen Situationen des Tiefstands eigener Kräfte deutlich, dass ich mein eigenes Kraftreservoir nur sehr begrenzt selbst auffüllen kann. Und manchmal ist es dann auch einfach Zeit für eine Pause. Manchmal sind die Kräfte auch so am Ende, dass ich Hilfe brauche, weil das Kraftreservoir komplett aufgebraucht ist.
Lebenskraft, Lebensfreude, Motivation kann ich mir nur in sehr eingeschränktem Maß selbst aneignen oder wiedergewinnen, sondern all das fließt mir zu, stellt sich ein, ist am Ende nicht bis ins Letzte verfügbar. Das merke ich besonders, wenn es fehlt. Und es ist nicht selbstverständlich, wenn es da ist (auch wenn ich es dann oft für selbstverständlich nehme).
Vor Pfingsten kündigt Jesus Christus seinen Jüngern an: »Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.« (Lukas 24,49, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Als Christin oder als Christ zu leben, heißt dann also: Mit der »Kraft aus der Höhe«, mit dem Heiligen Geist zu leben. In Zeiten, in denen ich mich als kraftvoll erlebe, ist das ein Grund zur Dankbarkeit. Und in Zeiten der Kraftlosigkeit ein Trost und ein Halt, dass es nicht nur auf meine Kräfte ankommt und ich darauf vertrauen darf, dass diese Kraft, die in mir wohnt, mich durchträgt – auch durch schwere, auch durch kraftlose Zeiten.
Christoph Barnbrock
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