Als Kind habe ich es geliebt, sogenannte »Höhlen« zu bauen, also mir aus Möbeln und Decken einen Ort für mich zu schaffen, in den ich verschwinden, in dem ich es mir gemütlich machen konnte und aus dem ich dann auch wieder nach einiger Zeit auftauchen konnte. Im Rückblick sind diese »Höhlen«, die ich mir damals gebaut habe, Inbegriff von Geborgenheit und Schutz gewesen.

Vielleicht war das auch unbewusst ein kindlicher Versuch, die Geborgenheit, die ein Embryo im Mutterleib erfährt, noch einmal zu erleben und nachzuempfinden.

Einen Ort zu haben, wo ich sicher bin, wo ich geborgen bin, wo mir niemand etwas anhaben kann. In der Bibel verbindet sich das Wort »Zuflucht« damit. Im Deutschen ist das Wort »Zuflucht« ja durchaus schillernd. Es steckt das Wort »Flucht« drin, eine der Erfahrungen, die man keinem Menschen wünscht: fliehen zu müssen, das, was einem lieb und vertraut ist, hinter sich zu lassen. Aber mit dem Zusatz »Zu« gewinnt das Wort »Flucht« einen ganz anderen, einen positiven Klang. Da ist ein Ort, an den ich mich flüchten kann, wo ich nach meiner Flucht geborgen und zu Hause bin.

Manchmal erlebe ich mich im Leben »unbehaust«, wie einer, der auf der Flucht ist: vor anderen, vor sich selbst, vor Aufgaben, die zu bewältigen sind, vor eigenen Grenzen und den Folgen eigener Schuld. Wie gut, dass es da eine »Höhle« gibt, in die ich mich verziehen kann, einen Zufluchtsort, wo ich geborgen bin.

»Zuflucht ist bei dem Gott, der von alters her ist, und unter seinen ewigen Armen.« (5. Mose 33,27, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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