»Diener« kenne ich in meiner Lebenswelt eigentlich nur aus Filmen. Männer oder Frauen, ordentlich in Uniform gekleidet, so, dass sie als Personen austauschbar sind. Sie sind »stets zu Diensten«, um die hohen Damen und Herren zu bewirten und ihnen bestenfalls jeden Wunsch von den Augen ablesen. Sie selbst und ihre Bedürfnisse spielen keine Rolle – so scheint es. Sie sind ja »nur« Diener.
Gehen wir von diesem Verständnis von Dienst aus, dann ist es nicht überraschend, dass sich viele Menschen schwertun mit dem Gedanken, Gott oder ihren Mitmenschen zu dienen. Einfach diese austauschbare Person im Hintergrund sein, die auf Anweisungen gehorcht und ansonsten möglichst wenig als Person erkennbar wird. Nein, das mag ich nicht sein.
Ist »Dienen« also out? – Ich glaube nicht. Es begegnet uns meiner Wahrnehmung nach auch heute in vielen anderen Gestalten. Jemand erzählt mir begeistert von dem, was er vorhat. Und ich frage nach: »Kann ich dich dabei unterstützen? Soll ich dir etwas abnehmen? Ich möchte gerne Teil dieses tollen Projekts sein!« Ein anderer Aspekt, der beim »Dienen« mitschwingt, ist Loyalität: »Egal, was kommt: Ich bin und bleibe an deiner Seite. Zwischen uns kriegt keiner auch nur ein Blatt Papier.« Und schließlich gehört Vertrauen zum Dienen. Schon für das Verhältnis zwischen Butler und seinen Vorgesetzten gilt: Ohne Vertrauen geht nichts. Der Arbeitgeber muss darauf vertrauen, dass seiner Diener ihn nicht Gift ins Essen träufelt. Und der Diener ist wiederum darauf angewiesen, dass er von seinem Arbeitgeber nicht ausgenutzt wird, sondern er es am Ende gut mit ihm meint.
Eine der bekanntesten Stellen, in denen das Wort »Dienen« in der Bibel vorkommt ist das Bekenntnis des Josua: »Gefällt es euch aber nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stroms, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.« (Josua 24,15, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Was hier noch zusätzlich deutlich wird, ist, dass wir Menschen faktisch nie ganz frei sind in unseren Entscheidungen und dem, was wir tun, sondern letztlich immer auf jemanden oder irgendetwas bezogen sind, wir uns von anderen und anderem leiten lassen. So ist die Frage am Ende gar nicht, ob wir dienen wollen, sondern wem wir dienen wollen. Josua sagt: Er möchte dem Gott Israels dienen. – Oder um es anders zu sagen: In seinem »Projekt« will er mit dabei sein, loyal sein und ihm vertrauen – weil dieser Gott vertrauenswürdig ist und den »Dienst« nicht ausnutzt. Und ich stelle mich an Josuas Seite und sage: »Ich will auch dem HERRN dienen, dem Vater meines Heilands Jesus Christus.« Denn für ihn bin ich nicht einfach austauschbar, sondern so wertvoll, dass Jesus Christus mit mir die Rollen getauscht hat und mein Diener geworden ist, um für mich da zu sein.
Christoph Barnbrock
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