Investigativer Journalismus gehört zu den Säulen demokratischer Staaten. Dass Journalistinnen und Journalisten den dunklen Machenschaften von einflussreichen Menschen auf die Schliche kommen, sie ans Licht bringen und so dazu beitragen, dass diese auch zur Rechenschaft gezogen werden, ist wichtig. Es wäre schlimm, wenn alles unter der Decke bleiben würde.

Nicht zu verwechseln damit ist allerdings die Tendenz in unserer Gesellschaft, vieles zu skandalisieren und aufzubauschen. Da macht jemand einen Fehler, gesteht ihn ein und bittet um Entschuldigung – und medial wird er oder sie dann weiterhin wie eine Sau durchs Dorf getrieben, als ob es das Allerunmenschlichste und Außergewöhnlichste wäre, sich zu irren oder eben auch einmal falsch zu handeln. Besonders deutlich ist das auch bei Sportlern zu sehen, die je nach Tagesform mal bessere und mal schlechtere Leistungen bringen. Machen sie dann einen größeren Fehler, über den sie sich selbst wahrscheinlich am meisten ärgern, ist das mediale Getöse groß.

Die Logik dahinter ist durchaus erklärbar. Zeitungen, Newsportale und ähnliche Informationsanbieter sind für Werbeeinnahmen auf möglichst hohe Klickzahlen angewiesen. Und diese Zugriffe auf die eigenen Inhalte erreicht man nicht dadurch, dass man abgewogen berichtet, sondern durch Skandalisierung und Aufbauschung (mindestens in den Überschriften).

Christlich ist all das allerdings nicht. Der christliche Glaube kennt zwar durchaus den Gedanken, dass wir Verantwortung tragen für das, was wir tun und lassen, dass es keinen Zweck hat, das Schlechte in unserem Leben zu verstecken. Aber auf dem, der bereits am Boden liegt, noch rumzutrampeln, das Scheitern immer wieder ans Licht zu zerren, das passt nicht zu einem Leben aus dem Glauben.

Im 1. Petrusbrief steht die Mahnung und Ermunterung: »Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn ›Liebe deckt der Sünden Menge zu‹« (1. Petrus 4,8, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Und das lese ich gleich in einer doppelten Weise. Zum einen beziehe ich das auf Jesu Liebe zu uns. Er geht nicht so mit uns um, dass er unser Scheitern und Versagen, unsere Sünde und Schuld ans Licht zerrt und daraus fette Schlagzeilen macht. Sondern er nimmt mir all das ab, deckt es zu, dass es nicht mehr sichtbar ist und hüllt mich in die Decke seiner Liebe, sodass ich geschützt bin vor den Blicken derer, die nur darauf gewartet haben, dass ich mich auf die Nase lege.

Und dann prägt all das auch unser Verhalten als Christen: Der angemessene Umgang mit dem Scheitern anderer ist dann nicht das Tuscheln und Tratschen: »Hast du schon gehört, wie der, wie die …?« Sondern in diesem Moment ist der Griff zur Decke dran, in die ich dann den anderen Menschen einhülle, der am Boden liegt.

Christoph Barnbrock


Entdecke mehr von Team Gott

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner